Politik : Lafontaine: Schlechtes Mannschaftsspiel war Grund für Rücktritt

THOMAS KRÖTER

BONN/SAARBRÜCKEN .Eine Diskussion über den Regierungsstil des rot-grünen Kabinetts hat der frühere SPD-Chef und Ex-Finanzminister Oskar Lafontaine mit seiner Rücktrittsbegründung ausgelöst.Während der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller Lafontains Kritik am "schlechten Mannschaftsspiel" der Bundesregierung zustimmte, lobte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) die kollegiale Zusammenarbeit.Drei Tage nach seinem spektakulären Schritt hatte Lafontaine am Sonntag erstmals sein Schweigen gebrochen und scharf den Mangel an "Teamgeist" gerügt.Unterdessen verlautete aus der Umgebung des früheren SPD-Chefs, daß dieser seinen Rückzug schon länger für den Monat Mai geplant hatte.

Aus der Erklärung Lafontaines gegenüber der ARD am Sonntag geht hervor, daß er nicht mehr genügend Rückhalt in der Bundesregierung empfand.Als Beispiel nannte er die Steuerreform.Die Koalition habe den Mittelstand um fünf Milliarden Mark entlastet, diskutiere aber "darüber, ob wir eine wirtschaftsfeindliche Politik machen".Mit seinem Ausscheiden habe er Bundeskanzler Schröder die Gelegenheit zu einer "neuen Mannschaftsaufstellung" gegeben.Lafontaine bekannte sich zur bisherigen Politik der Bundesregierung, sie habe "viele Versprechen gehalten".Das sei "etwas Neues in der Politik." Unter Bezug auf die Steigerung der Aktienkurse nach seinem Rücktritt sagte der Ex-SPD-Chef: "Das Herz wird noch nicht an der Börse gehandelt, aber es hat einen Standort - es schlägt links."

Das "Mannschaftsspiel" der Bundesregierung sei "aus der Sicht des Zuschauers nicht gerade begeisterungsfähig" gewesen, schloß sich der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller am Sonntag abend gegenüber n-tv der Kritik Lafontaines an.Bei der Steuerreform habe sie den Eindruck vermittelt "als ob nicht alles koordiniert" sei.Außerdem dürften die Kabinettsdiskussionen nicht nach draußen getragen werden.Auch Grünen-Sprecherin Gunda Röstel monierte, "daß der Teamgeist innerhalb der Regierung nicht besonders groß geschrieben" werde.Außenminister Fischer widersprach.In den Kabinettssitzungen, an denen er teilgenommen habe, sei "in kollegialer Form" miteinander umgegangen worden.

In Bonn verlautete unterdessen, Lafontaine habe seinen Rückzug aus der Politik schon länger geplant.Die inhaltlichen Differenzen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und ihm seien zu groß geworden.Auch habe er nicht verwinden können, daß Schröder sich nicht an eine Absprache gehalten habe, derzufolge Franz Müntefering aus dem Amt des SPD-Geschäftsführers an die Spitze des Kanzleramtes habe wechseln sollen.Stattdessen habe er seinen Intimfeind Bodo Hombach berufen.Angeblich wollte Lafontaine mit seinem Rücktritt bis nach der Bundespräsidentenwahl im Mai warten.Die Indiskretion aus dem Kabinett, als Schröder angeblich wirtschaftsfeindliche Tendenzen in der Regierung kritisierte, habe das Faß jedoch zum Überlaufen gebracht.

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