Politik : Lage in Osttimor nach Attentat stabilisiert

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Drei Wochen nach dem Attentat auf seine Person hat Osttimors Präsident Jose Ramos-Horta Besucher empfangen. „Der Präsident erholt sich gut, er kann schon wieder ein paar Schritte gehen, wird aber noch einige Zeit Ruhe brauchen“, sagte Osttimors Vizepräsident Fernando Lasama, der die Amtsgeschäfte führt, nach einem Treffen mit Ramos-Horta. Der Friedensnobelpreisträger war vor seiner Residenz in Osttimors Hauptstadt Dili angeschossen, dann in Australien operiert worden. Ein weiteres Attentat galt Premier Xanana Gusmao. Er blieb unverletzt. Seit den Überfällen herrscht Ausnahmezustand. UN-Polizisten, Soldaten aus Australien sowie Neuseeland und einheimische Sicherheitskräfte patrouillieren. Befürchtete Unruhen blieben aus.

2006 waren knapp 600 Soldaten, ein Drittel der Armee Osttimors, einer armen Inselhälfte nördlich von Australien, desertiert. Einige von ihnen behielten ihre Waffen und sorgten für Unruhen, bei denen Dutzende von Menschen starben und 150 000 vor Gewalt flüchteten. Nach zwischenzeitlicher Ruhe verübten abtrünnige Soldaten die Attentate. Dabei wurde ihr Anführer Alfredo Reinado erschossen. Andere Rebellen konnten flüchten, 1 000 Soldaten und Polizisten suchen sie.

Vergangenen Freitag stellten sich fünf Gefolgsleute von Reinado. Einen Tag später ergab sich auch Amaro da Costa, der als rechte Hand Reinados galt. „Ich war beim Überfall auf die Residenz des Präsidenten dabei“, räumte da Costa ein, „nun stelle ich mich der Justiz. Ich möchte, dass die Nation stabil bleibt.“ Am Montag ergaben sich sieben weitere Rebellen. Die noch flüchtigen Kämpfer sind zunehmend isoliert. In Dili versammelten sich auf Einladung der Regierung Hunderte von Deserteuren, die nicht zu Gewalt gegriffen hatten. Sie wollen wieder zum Militär zurück, was juristisch unmöglich erscheint. Premier Gusmao sucht eine Lösung, sie gilt als ein Schlüssel zu Frieden in Osttimor. Moritz Kleine-Brockhoff

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