Politik : Lahme Lady?

Vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich wächst bei den Sozialisten die Kritik an ihrer Kandidatin Ségolène Royal

Hans-Hagen Bremer[Paris]

Nach dem Spektakel, mit dem Nicolas Sarkozy, der Kandidat der konservativen Regierungspartei UMP, am Sonntag offiziell zur Präsidentschaftswahl angetreten ist, kommt bei den Sozialisten Zweifel über den Wahlkampf ihrer Kandidatin Ségolène Royal auf. Vielen ist er zu lahm. In einer neuen Umfrage schneidet Sarkozy zudem erstmals deutlich besser ab.

Während die Sozialisten nach den bisherigen Erhebungen in der ersten Wahlrunde auf einen Vorsprung gegenüber Sarkozy und in der Stichwahl auf einen knappen Sieg hoffen konnte, hat sich dieses Verhältnis seit Sarkozys „Krönungsmesse“ umgekehrt. Danach würden er in der ersten Runde 35 Prozent der Stimmen auf ihn entfallen und 28 Prozent auf seine Gegnerin. In der Stichwahl würde er sie mit 52 Prozent gegenüber 48 überflügeln. Verstärkt wird die Sorge durch eine Kontroverse zwischen der sozialistischen Kandidatin und der Führung ihrer Partei um die Steuerpolitik, die in einem öffentlich ausgetragenen Streit mit dem Parteichef, ihrem Lebensgefährten Francois Hollande, gipfelte. In einer Vorstandssitzung, deren Atmosphäre von Teilnehmern als „angespannt“ beschrieben wurde, forderten mehrere Parteiführer Royal auf, endlich kämpferischer gegenüber Sarkozy aufzutreten und dessen Offensive mit eigenen Vorschlägen zu kontern.

Während der UMP-Kandidat am Wochenende in seiner Rede bei dem Massentreffen seiner Teilnehmer in Paris wiederholt „mein Frankreich“ für sich reklamierte, war sie bei einem Besuch in ihrem ländlichen Wahlkreis im Westen des Landes mit einem Lamm auf den Armen aufgetreten. Weniger als hundert Tage vor der Wahl stehe ihr Projekt für die Präsidentschaft immer noch nicht fest, wurde ihr vorgehalten. Bemängelt wurde auch die fehlende Koordination zwischen ihrem Wahlkampfstab und der Partei auf nationaler wie auf lokaler Ebene. „Wir hängen in einem Luftloch“, sagte Vincent Peillon, ein Europaabgeordneter, der sich in der parteiinternen Kampagne im November für ihre Nominierung zur Kandidatin eingesetzt hatte. An ihrer Strategie, die Wähler noch weiter anzuhören und erst im Lauf des Februar ihr Programm vorzustellen, will Royal weiter festhalten. Auf Royals Abwarten, das ihr vom politischen Gegner das Urteil der Entschlusslosigkeit einbrachte, reagierten ihre Freunde umso ungeduldiger, da Sarkozy mit Vorschlägen zur Steuerpolitik aufwartete, die nach ihrer Meinung eindeutig die Wohlhabenden begünstigen würden. Parteichef Hollande steigerte die Kritik an Sarkozys Steuerplänen zu dem Versprechen, die Linke würde im Falle eines Sieges alle von der Rechten seit 2002 eingeführten Steuersenkungen wieder rückgängig machen. Das brachte ihm einen öffentlichen Rüffel Royals ein, die potenzielle Wähler rechts von der Mitte nicht mit einer Steuerdebatte verschrecken möchte.

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