Politik : Landtagswahl: Grüne Erosion

Matthias Meisner

Magdeburg, der Name dieser Stadt steht für ein Trauma der Grünen, und das seit Jahren. 1998 beschloss die Partei hier auf einer Bundesversammlung die schrittweise Anhebung des Benzinpreises auf fünf Mark pro Liter. Von den Wirkungen des Beschlusses auf das Wahlvolk haben sich die Grünen, mindestens im Osten, bis heute nicht erholt. Obwohl doch die Spitzenpolitiker gelernt haben wollen: "Wir hatten nicht bedacht, welche soziale Bedrohung in dieser Forderung steckt", hatte Parteichef Fritz Kuhn erst zu Jahresbeginn eingeräumt.

Es war keine Überraschung, dass die Grünen in den Planspielen über künftige Koalitionen im Magdeburger Landtag keine Rolle mehr spielten. Bereits alle Umfragen siedelten sie klar unter fünf Prozent an. Dabei haben sie alle noch einmal gekämpft: "Grün statt Stillstand" hieß die Kampagne für die Spitzenkandidatin Undine Kurth, eine Innenarchitektin aus Quedlinburg, die seit zwei Jahren im Bundesvorstand ihrer Partei Politik für den Osten macht. Allein drei Mal trat Außenminister Joschka Fischer im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf auf. Grafiken: Die Sitzverteilung im Landtag
Die Stimmenanteile der Parteien
Die Stimmenverhältnisse im Bundesrat
Doch verlorenes Terrain ließ sich nicht aufholen - 1998 waren die Grünen, die 1994 noch das Magdeburger Modell mit begründeten, aus dem Landtag geflogen. Die Erosion des nur etwa 400 Mitglieder zählenden Landesverbandes ging seitdem unaufhörlich weiter: Ex-Umweltministerin Heidrun Heidecke verließ die Partei, Hans-Jochen Tschiche, der frühere Fraktionschef, konzentrierte sich auf sein Engagement gegen den Rechtsextremismus. Ende vergangenen Jahres unterzeichnete er den Appell "Wir haben es satt", in dem hart mit rot-grüner Regierungspolitik im Bund ins Gericht gegangen wird.

Wie weiter mit Sachsen-Anhalts Grünen? Erst nach der Landtagswahl will die Partei ihre Liste für die Bundestagswahl aufstellen. Kurth hat Ambitionen, aber auch die jetzige Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke. Gut möglich ist aber, dass Sachsen-Anhalts Grüne nach der Verkleinerung des Bundestages überhaupt nicht mehr im Parlament vertreten sind.

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