Landtagswahl in Bayern : Nach dem Debakel: CSU stellt Huber in Frage

Nur 43 Prozent für die CSU, damit ist die Alleinherrschaft in Bayern erstmals seit 46 Jahren gebrochen. In München ist der Katzenjammer bei den Christsozialen groß. Jetzt kommt Parteichef-Huber ins Visier. Bayerns CSU-Fraktionschef fordert bereits eine schnelle Entscheidung über dessen politische Zukunft.

MünchenNach dem Wahldebakel der CSU bei der Landtagswahl in Bayern sucht die Union nach den Ursachen für den Erdrutsch. Am Montag beraten die Gremien der Parteien in Berlin und München über den Ausgang der Landtagswahl. Die CSU erreichte bei der Landtagswahl 43,4 Prozent der Stimmen. Sie verliert damit ihre 46 Jahre währende Alleinherrschaft. Die SPD fuhr mit 18,6 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis in Bayern ein. FDP, Grüne und Freie Wähler ziehen mit 8,0 Prozent, 9,4 Prozent und 10,2 Prozent ebenfalls in den Landtag ein. Die Linke verpasste mit 4,3 Prozent den Einzug ins Landesparlament.

Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid fordert eine rasche Entscheidung über die politische Zukunft des Parteivorsitzenden Erwin Huber. Die Frage, ob sich Huber nach dem Wahldebakel der CSU noch halten könne, müsse "schnell entschieden" werden, sagte Schmid am Montag vor einer Präsidiumssitzung der CSU in München. Er fügte hinzu: "Wenn man Konsequenzen will, kann man das nicht ewig hinausschieben." Er gehe jedoch davon aus, dass Günther Beckstein (CSU) weiter bayerischer Ministerpräsident bleibe.

Seehofer: "Eine Katastrophe"

Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer sagte vor Journalisten, die "Dimension der Katastrophe" sei deutlich höher als die Wahlniederlage von Helmut Kohl bei der Bundestagswahl 1998. Seehofer, der als möglicher Nachfolger des angeschlagenen CSU-Chefs Erwin Huber gilt, wollte den Verlust von mehr als 17 Prozentpunkten zunächst nicht weiter analysieren. Eine inhaltliche Analyse sei automatisch mit Personalfragen verbunden. "Jetzt ist Ruhe, Klugheit das Vernünftigste", sagte der Bundesverbraucherminister. Es müsse nun Schritt für Schritt vorgegangen werden.

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Christian Wulff machte die Arbeit in der Union in der großen Koalition für den dramatischen Niedergang der CSU in Bayern mitverantwortlich. "Teilweise liegen die Verluste der CSU, zu Gunsten der FDP, der Freien Wähler und der Nichtwähler, sicher auch darin begründet, dass die große Koalition im Bund über alles einen so großen Schirm aufgespannt hat", sagte er. Außerdem sei es wohl eines der Probleme in Bayern gewesen, dass der Generationswechsel "nicht optimal verlaufen ist". Es liege aber unverändert "im ganz großen Interesse der CDU, dass die CSU so einflussreich und pointiert bleibt, wie sie es geworden ist", sagte Wulff.

Von der CDU forderte Wulff eine durchdachte Wahlanalyse und keine Schnellschüsse mit Urteilen. "Offenbar verlieren die Volksparteien an Bindekraft. Das liegt auch daran, dass man über große Fragen nicht mehr richtig streitet, weil man in der großen Koalition zusammenarbeitet. Deshalb muss jenseits der großen Koalition das Gewicht der Parteien gestärkt werden."

Michelbach: Keine Unterstützung aus Berlin

Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, warnte seine Partei vor einer Personaldiskussion. Es gehe jetzt um Inhalte, sagte Michelbach. Er machte zugleich die Schwesterpartei CDU und die Politik der großen Koalition in Berlin für die Verluste der CSU bei der bayerischen Landtagswahl verantwortlich.

Michelbach kritisierte: "Was während des Wahlkampfes aus Berlin kam, war alles andere als Rückenwind für uns. Die fortschreitende Sozialdemokratisierung der CDU bringt die Union um ihre Glaubwürdigkeit." Der CSU-Politiker fügte hinzu: "Die Hochsteuerpolitik und die Erbschaftssteuer treiben den Mittelstand weg von der Union." Notwendig sei ein "deutlicher Richtungswechsel" auf Bundesebene. (svo/ddp/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar