Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen : Hanni und Nanni – oder Rot-Grün 2.0

Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann hoffen, dass ihr Teamwork sie bei der morgigen Wahl in NRW wieder an die Macht bringt

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Landesfarben: Sylvia Löhrmann (Grüne, links) und Hannelore Kraft beim gemeinsamen Wahlkampf
Landesfarben: Sylvia Löhrmann (Grüne, links) und Hannelore Kraft beim gemeinsamen WahlkampfFoto: Oliver Berg/dpa

Bärbel Höhn lacht an diesem Tag viel. Ihr Gesichtsausdruck ist überwiegend heiter, sie begrüßt viele alte Freundinnen und Freunde. Ihre Züge spiegeln Heiterkeit und zeigen damit eine Seite, die sie öffentlich eher selten zur Schau stellt. Die grüne Frontfrau in Nordrhein-Westfalen feiert ihren 60. Geburtstag in einer alten Fabrikhalle. Man spürt, wie wohl sie sich an diesem Tag fühlt und wie sehr sie genießt, dass erstaunlich viele Sozialdemokraten den Weg in ihre Heimatstadt Oberhausen gefunden haben. Nur hin und wieder verengen sich die Augen, setzt sie jenen Blick auf, den Kombattanten in Debatten mit ihr fürchten, weil sie dann gleich verbal zurückschlägt. An diesem Vormittag passiert das immer, wenn irgendjemand an die erste rot-grüne Koalition im größten Bundesland erinnert, wenn der Name Wolfgang Clement fällt, mit dem sie sich unzählige Gefechte geliefert hat.

Für die Sozialdemokraten im Saal fällt der Name Clement etwas zu häufig, aber er gehört zur Geschichte dieser beiden Parteien und vor allem zur Geschichte von Bärbel Höhn. „Ja, wir haben häufig gestritten“, wird sie hinterher im kleinen Kreis sagen, aber oben auf der Bühne hatte sie zumindest an diesem Tag das Bedürfnis, die ersten zehn Jahre Rot-Grün nicht nur auf ihr Verhältnis zu Clement zu reduzieren. „Wir haben auch viel erreicht“, heißt das in ihren Worten.

Diese Zeiten liegen lange zurück. Heute stehen Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann nebeneinander; spielen perfekt die Rolle von Hanni und Nanni, als die sie nicht nur von Parteifreunden karikiert werden – und wollen nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag gemeinsam weiterregieren. Am liebsten mit eigener Mehrheit, ohne die Notwendigkeit wechselnder Mehrheiten, die beide in 22 Monaten Minderheitsregierung von der Linkspartei, aber auch von CDU und FDP bekamen. Bis das Arrangement im März am Haushalt scheiterte: Unterschiedliche Auffassungen über das Abstimmungsverfahren zum Haushaltsgesetz endeten vor zwei Monaten mit der Auflösung des Landtags.

„Es ist gut, wenn Frauen wieder den Haushalt machen“, haben die Grünen in diesem Wahlkampf plakatiert und dabei, was einem Tabubruch gleich kommt, die Sozialdemokratin Kraft neben der Grünen Löhrmann abgebildet. Dass es um dieses Plakat in einer ersten Fassung Ärger gab, weil neben Kraft der Spruch „Zweitstimme Grün“ gesetzt wurde und es so aussah, als wenn die Genossin hier direkte Werbung für die Konkurrenz machte, irritierte nur kurz. Die Grünen nahmen den Spruch weg und plakatierten weiter Hanni und Nanni. Früher, zu Wolfgang Clements Zeiten, hätte solch eine Panne eine veritable Schlacht zwischen Rot und Grün ausgelöst.

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