Politik : Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Kleines Beispiel für größere Vorhaben

Robert Birnbaum

In einem roten Tulpen-Meer zwei gelbe Blüten - der rheinland-pfälzischen FDP schien dies genug der Aussage für die Landtagswahl. Das Haupt-Plakat der Wahlkampagne signalisierte: Für die Liberalen unter ihrem Landeschef Rainer Brüderle kam es vor allem darauf an, die sozialliberale Koalition als Modellfall zu erhalten. Für Brüderle ist das um so wichtiger, als seine Zukunft in Berlin eng mit dieser bundesweit derzeit einzigartigen Konstellation verknüpft ist. Der 55-Jährige hat 1998 den sicheren Sessel des Wirtschaftsministers in Mainz freiwillig gegen ein Bundestagsmandat eingetauscht.

Niemand hat je geglaubt, daß der Grund für den Wechsel ein Überdruss an Weinköniginnen gewesen sein soll, die züchtig zu küssen zur ehernen Pflicht auch seines Nachfolgers Hans-Artur Bauckhage zählt. Hinter dem jovialen Auftreten eines Mister Mittelstand steckt nämlich ein zweiter Brüderle: Einer, der so ehrgeizig wie ungemütlich sein kann. Zeitweise wurde er als denkbarer Ersatz für Wolfgang Gerhardt gehandelt - erst als FDP-Parteichef; seit Guido Westerwelle den Platz für sich reklamiert hat, nur noch als Fraktionschef. Brüderle hat derlei Ambitionen stets mit dem Hinweis zurückgewiesen, er stehe loyal zu seinem Freund Gerhardt.

Das ist nicht nur die Bescheidenheit des Fuchses, dem die Trauben sowieso zu hoch hängen. Brüderle hat auch ohne festen Posten Gelegenheit, ganz vorne mitzumischen. Immer wenn es gilt, im Bundesrat eine Mehrheit für die rot-grüne Regierung zu organisieren, spielt Rheinland-Pfalz eine Schlüsselrolle. Wie sich die FDP in der Landesregierung in Abstimmungen etwa über die Steuerreform oder das Staatsbürgerrecht verhält, bestimmt aber nicht Bauckhage. Der brave Bäckermeister aus dem Westerwald ist bestenfalls so etwas wie ein Statthalter.

Wenn es politisch wird, gibt Brüderle weiter den Ton an. Und wenn es auf die Bundestagswahl zugeht, darf man sicher sein, dass das Mainzer Modell eine Rolle spielen wird. Der künftige FDP-Chef Westerwelle wird die Liberalen nicht ganz und gar auf Rot-Gelb festlegen; aber er wird keinen Zweifel daran lassen, wie charmant er die Farbkombination findet. Brüderle aber wird als leibhaftiger Beweis dafür auftreten, wie gut die gemeinsame Sache den Roten wie den Gelben bekommen kann. Wenn der Coup klappt, wird sich für ihn schon ein passender Posten finden.

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