Politik : Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Vereinsfest statt Vision

Heidi Parade

Er behauptet, dass er "mit Leib und Seele" Ministerpräsident sei und keine weiteren Ambitionen habe - das "Hecheln nach etwas Anderem" nennt er "eines der Unglücke der Politik". Nein, so versicherte er vor der Wahl, er wolle den Karren gerne noch ziehen, "wenn der Karren es will". Und der wollte es. Kurt Beck bleibt Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz.

Der 52-jährige Pfälzer steht in Mainz für solides und unspektakuläres Regieren. Er ist ein Mann des Ausgleichs, kann aber auch durchgreifen. Die Rolle des Landesvaters ist ihm auf den Leib zugeschnitten. Er horcht sorgfältig in seine Landeskinder hinein und richtet seine abwägende Politik darauf aus. "Nah bei den Menschen" will er sein, und davon lässt er sich auch nicht durch die Fülle seiner Ämter abbringen. Er ist ja auch noch SPD-Landesparteichef, sitzt der Rundfunkkommission der Länder vor, ist Beauftragter für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen und gegenwärtig Präsident des Bundesrats.

Und dennoch trifft man ihn auf vielen Weinfesten und Vereinsjubiläen, er versagt kaum einer anklopfenden Organisation mit rundem Geburtstag die Jubiläumsrede, er ist Dauergast im Fußballstadion bei "seinem" 1. FC Kaiserslautern, und er hält vor allem an seiner Bürgersprechstunde für die kleinen Leute in seinem Heimatdorf Steinfeld fest. Das macht den Mann mit dem runden Gesicht, dem gepflegten Bürstenhaarschnitt und dem merklich grau gewordenen Drei-Tage-Bart so sympathisch, dass ihn nach Umfragen vor der Wahl über 60 Prozent der Rheinland-Pfälzer als Ministerpräsidenten haben wollten.

Ein politischer Visionär ist Beck nicht. Vom Charakter her eher ein Choleriker, hat er inzwischen gelernt, Ruhe auszustrahlen und den Pfad des sachlichen Argumentierens nicht so schnell zu verlassen. Das Regierungsamt hat den gelernten Elektromechaniker und Sohn eines Maurers in den sieben Regierungsjahren selbstsicherer und selbstbewusster gemacht. Für seine Reden braucht er kein Konzept. Als Chef der einzigen rot-gelben Koalition setzt er im Bundesrat seine Fähigkeit ein, Brücken zu schlagen.

Beck ist seit 1994 als Nachfolger von Rudolf Scharping Regent in Mainz. Dem Landtag gehört er seit 22 Jahren an, der SPD seit über 30 Jahren. Für seine Landespartei ist er Garant ihres Erfolgs und somit Programm. Die Zusammenarbeit mit dem liberalen Koalitionspartner funktioniert gut. Dass es manchmal hörbar geknirscht hat - etwa bei den unterschiedlichen Auffassungen zum NPD-Verbot - gehört laut Beck "zum politischen Geschäft".

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar