Landtagswahl in Sachsen : Stanislaw Tillich lässt es locker angehen

In Sachsen wird am 31. August der neue Landtag bestimmt. Wer vorn liegen wird, ist praktisch klar. Stanislaw Tillich lässt es deswegen locker angehen. Aber wie füllt man dann den Wahlkampf? Zum Beispiel mit einem besonderen Duell.

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Stanislaw Tillich am Sonntag beim Wahlkampfauftakt.
Stanislaw Tillich am Sonntag beim Wahlkampfauftakt.Foto: dpa

Stanislaw Tillich hat am Sonntag den Wahlkampf begonnen. In Sachsen wird am 31. August der neue Landtag gewählt, viele Wähler sind bis dahin in den Ferien, und so lässt es der sächsische Ministerpräsident der CDU auch locker angehen – mit einem Spaziergang, gemeinsam mit seiner ebenfalls im Wahlkampf stehenden, wenn auch weniger siegesgewissen Thüringer Kollegin Christine Lieberknecht im Vogtland. Denn in Erfurt könnte die Regierung wechseln – in Dresden wird Tillich wohl im Amt bleiben.

Geht es nach ihm, dann sollen auch die nächsten vier Wochen und der Wahltag selbst ein Spaziergang werden. Er möchte bis dahin am liebsten nur noch Gelassenheit und Souveränität versprühen, auf der Basis eines soliden Vorsprungs seiner Sachsen-Union in den Umfragen. Sie steht bei 42 Prozent, weit vor allen anderen Parteien. Nahezu alle Wahlkreise wird sie nach einer Prognose des Informationsdienstes election.de gewinnen.

Tillich contra Gebhardt

Wer so dominiert, der will das auch vorführen. Dazu gehört auch, sich mit den Spitzenkandidaten der Mitbewerber erst gar nicht groß zu befassen. Eine direkte Debattenrunde im Mitteldeutschen Rundfunk ließ Tillich daher ablehnen, es wird nun wohl eine Sendung geben, in der die diversen Kandidaten nur zugeschaltet werden. Am Wochenende nun wurde publik, pünktlich zum Wahlkampfauftakt, dass sich Tillich doch einem direkten Gespräch stellt. Die drei Landeszeitungen brachten es zustande. Freilich wird Tillich am 18. August, vor 450 Zuhörern in Dresden, nicht mit allen reden. Es wird nur ein Duell geben, das dann breit in den drei Blättern wiedergegeben wird. Und zwar ein Duell mit dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Rico Gebhardt. Der ist ein ähnlich ruhiger Zeitgenosse wie Tillich selbst, es wird also ein sachlicher Debattenspaziergang. Aber wieso nur die Linkspartei?

Bloß keine Koalitionsdebatte

Gebhardt sei eben Oppositionsführer, heißt es in der Union. Die Linke ist im Landtag zweitstärkste Partei, und in den Umfragen ist sie das auch. Wie 2009 (20,6 Prozent) könnte auch jetzt jeder fünfte Wähler Gebhardts Liste ankreuzen. Die Verabredung von CDU und Linken zur Zweisamkeit kommt natürlich nicht von ungefähr: Hier treffen sich einfach Interessen. Neben Tillichs Souveränitätsanspruch steht bei der Union ganz oben, dass man sich keine Koalitionsdebatte aufdrängen lassen will. Bisher regiert die CDU mit der FDP, die aber wackelt. Jedes große Kandidatenduell würde so zur Koalitionsspekulation, zumal nach Umfragen die AfD bei sieben Prozent steht, und die weiter hochzureden, passt nicht in Tillichs Konzept, wohl aber in das der anderen. Auch über Schwarz-Grün, eine mögliche Variante, mag der Ministerpräsident nicht groß diskutieren.

Der Linken gefällt, dass sie einerseits so gewissermaßen aufgewertet wird und andererseits die SPD noch etwas mehr in den Schatten stellen kann. Die Sozialdemokraten liegen in Umfragen bei 13 bis 15 Prozent, das Duell Tillich-Gebhardt, ob es nun substanziell wird oder nicht, wirkt da wie Salz in der Wunde. Dem SPD-Spitzenmann Martin Dulig, der mit einem quirligen Wahlkampf, ganz auf ihn zugeschnitten, zu punkten hofft, bleibt vorerst nur die gute Miene zum bösen Spiel: Er freue sich, dass Tillich seine Hemmungen habe fallen lassen, teilte er mit, einem direkten Aufeinandertreffen aller Spitzenkandidaten dürfte nun nichts mehr im Wege stehen. „Denn dass Herr Tillich im Wahlkampf nur mit den Linken diskutierten will, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“

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