Landtagswahlen : Die Spitzenkandidaten in Hessen

Ein Ministersohn, eine ehemalige Krankenschwester und ein Ostermarschierer - die hessischen Kandidaten im Überblick.

Roland Koch (CDU)

will am 27. Januar zum dritten Mal hessischer Ministerpräsident werden. Der 49jährige Jurist aus Eschborn bei Frankfurt ist die beherrschende Figur der Landespolitik und zugleich als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ein bundespolitisches Schwergewicht. Eigene Ansprüche auf das Kanzleramt hat Koch zurückgestellt.

Koch stammt aus einer politischen Familie. Sein Vater Karl-Heinz Koch (1924-2007) war für die CDU hessischer Justizminister. Der Sohn führt die Christdemokraten im Land seit 1998. Den Wahlsieg 1999 sicherte er sich mit einer umstrittenen Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Unbeschadet überstand er die Affäre um schwarze Kassen bei der Hessen-CDU. Angesichts schwacher Umfragewerte machte er für die jetzige Wahl die Kriminalität junger Ausländer zum Thema.

Koch gilt als Polarisierer. Er selbst sieht sich als "konservativen Reformer". Selbst Gegner erkennen seine wirtschaftspolitische Kompetenz an. Mit Peer Steinbrück von der SPD handelte er Kompromisse vom Subventionsabbau bis zur Erbschaftsteuer aus. Den Vater von zwei Söhnen verbindet eine lange Freundschaft mit dem Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, dem Dalai Lama.

Andrea Ypsilanti (SPD)
will die hessische SPD nach dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte 2003 zurück an die Macht führen. Das Arbeiterkind aus der Opel-Stadt Rüsselsheim, das zeitweise als Stewardess arbeitete und Soziologie studierte, hat sich die Spitzenkandidatur erkämpfen müssen. Nach monatelangem internen Tauziehen setzte sich Ypsilanti Ende 2006 knapp gegen ihren Konkurrenten Jürgen Walter durch. Landesparteivorsitzende ist sie seit 2003, seit 2007 führt sie auch die Landtagsfraktion.

In der SPD zählt Ypsilanti zum linken Flügel. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ärgerte sich über ihre Kritik an seiner "Agenda 2010". Mittlerweile ist ihre Forderung nach einer neuen "Gerechtigkeitsdebatte" und Mindestlöhnen wieder Konsens bei den Sozialdemokraten. Die 50jährige lebt mit Partner, Sohn und einer zweiten Familie in einer Wohngemeinschaft am Frankfurter Stadtrand.

Jörg-Uwe Hahn (FDP)
von der FDP ist ein Duz-Freund von Roland Koch und möchte mit dem Ministerpräsidenten künftig koalieren. Der 51jährige Rechtsanwalt führt seit 1999 die FDP-Landtagsfraktion in Wiesbaden, seit 2005 auch die Landespartei. Trotz der Oppositionsrolle der FDP in der letzten Wahlperiode findet Hahn viele Gemeinsamkeiten mit den Christdemokraten, an denen ihn höchstens "zu viel Regulierung" stört.

Kordula Schulz-Asche und Tarek Al-Wazir (Grüne)
Die Grünen treten in Hessen mit einem Führungsduo an. Auf Platz eins der Liste steht die Ko-Landesparteichefin und Abgeordnete Kordula Schulz-Asche, eine frühere Krankenschwester. Starker Mann der Ökopartei ist Tarek Al-Wazir (36) auf Platz zwei. Der Politologe aus Offenbach, dessen Vater aus dem Jemen stammt, vereint als erster Grüner bundesweit den Vorsitz von Fraktion und Landespartei.

Willy van Ooyen, Die Linke
Spitzenkandidat der Linken ist der parteilose Friedensaktivist und Ostermarsch-Organisierer Willy van Ooyen (60). Der Pädagoge leitet in Frankfurt eine Werkstatt für Behinderte. Van Ooyen ist für Die Linke in Hessen der zweite Spitzenkandidat. Zunächst hatte die Partei das ehemalige DKP-Mitglied Pit Metz gewählt. Metz musste sich aber auf Druck der Bundespartei und Teilen der Basis zurückziehen. (dpa)

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