Landtagswahlen : Die Spitzenkandidaten in Niedersachsen

Ein Soziologe, eine Computer-Spezialistin und ein Augenarzt - die niedersächsischen Kandidaten im Überblick.

Christian Wulff (CDU)


Nach zwei bitteren Niederlagen gegen den späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte es Christian Wulff geschafft: Mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Niedersachsens war der Jurist aus Osnabrück im Frühjahr 2003 endlich am Ziel. Bundesweit war der heute 48-jährige als "junger Wilder" in der CDU bekannt geworden, als er Anfang 1997 den Rücktritt von Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) forderte. Heute gilt der CDU-Bundesvize als loyaler Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kernpunkt seiner Politik ist die Sanierung des maroden Landeshaushalts. Im Juni 2006 hatte Wulff nach 25jähriger Ehe die Trennung von seiner Frau Christiane bekanntgegeben.

Wolfgang Jüttner (SPD)
SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner gilt als verlässlich, geradlinig und durchsetzungsstark. Parteifreunde schätzen auch sein "ausgleichendes Wesen" und sein "analytisches Denkvermögen". Einige sagen dem 59 Jahre alten Soziologen aus Hannover jedoch nach, ihm fehle der absolute Wille zur Macht. Jüttner trat 1970 in die SPD ein und gehört dem niedersächsischen Landtag seit 1986 an. Gerhard Schröder machte ihn 1998 zum Umweltminister. Nach dem Rücktritt von Schröders Nachfolger Gerhard Glogowski war Jüttner im parteiinternen Rennen um das Amt des Spitzenkandidaten zur Landtagswahl dem heutigen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel unterlegen. Sein Amt als Landesvorsitzender trat er im November 2005 an den Ostfriesen Garrelt Duin ab.

Philipp Rösler (FDP)
Der 1973 in Vietnam geborene und von einem deutschen Ehepaar adoptierte FDP-Spitzenmann Philipp Rösler trat 1991 in die Partei ein und war sechs Jahre darauf Landesvorsitzender der jungen Liberalen. Neun Jahre später wurde er Generalsekretär, bevor er 2003, mit 29 Jahren, an die Spitze der Fraktion im Landtag und 2006 auch an die Spitze der Partei rückte. Ein Angebot des Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle, den Posten des Generalsekretärs in Berlin zu übernehmen, hatte der gelernte Augenarzt und gläubige Katholik zuvor abgelehnt. Er wollte lieber in Niedersachsen bleiben. Hinter den Kulissen wird Rösler für den Fall einer Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition auch als Wirtschaftsmininister in einem Kabinett Wulff gehandelt.

Ursula Helmhold (Grüne)
Bevor Ursula Helmhold mit der Wahl 2003 für die Grünen in den Landtag in Hannover einzog, war die gelernte Krankenschwester und studierte Lehrerin lange in der Kommunalpolitik aktiv. Als Spitzenkandidatin will die Mutter zweier erwachsener Kinder die CDU/FDP-Koalition vor allem auf den Feldern soziale Gerechtigkeit, Ausländerpolitik, Bildung und Klimaschutz stellen. "Die ökologische Frage hat mich schon immer stark bewegt", sagt Helmhold. "Eine andere Partei als die Grünen kam für mich daher nicht in Frage." Ein zweistelliges Ergebnis bei der Wahl hält die 51-Jährige angesichts der Debatte um den Klimawandel für eine realistische Perspektive.

Kreszentia Flauger (Die Linke)
"Je stärker wir werden, desto sozialer wird die SPD", lautet das Motto von Kreszentia Flauger (41), die als Spitzenkandidatin der Linken versuchen will, den Erfolg von Bremen in Niedersachsen zu wiederholen. Mit 8,4 Prozent war ihre Partei in die Bürgerschaft des Stadtstaates und damit erstmals in ein westdeutsches Landesparlament gelangt. Ihre Forderungen: gebührenfreie Bildung, Kampf gegen Armut mit Hilfe einer Vermögens- und Börsenumsatzsteuer, Arbeitsplatzerhalt durch Privatisierungs-Stopp. Flauger selbst stammt aus kleinen Verhältnissen. Mit drei Geschwistern wuchs sie als Tochter eines Kieler Handwerkers auf 40 Quadratmetern auf. Ein Bundestagsmandat verpasste die Computer-Spezialistin 2005 nur knapp. (dpa)

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