Landwirtschaft : Kann Bio die Welt ernähren?

Bio ist gesund, davon sind viele überzeugt. Doch ob sich mit den Methoden der ökologischen Landwirtschaft die wachsende Weltbevölkerung versorgen lässt - daran scheiden sich die Geister.

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Bei einem Einkauf auf dem Markt gibt es oft saisonales und regionales Gemüse zu kaufen.
Bei einem Einkauf auf dem Markt gibt es oft saisonales und regionales Gemüse zu kaufen.Foto: picture alliance / dpa

Beim Thema Ernährung wird Sarah Wiener emotional. "Die Art, wie wir leben, führt uns an den Abgrund", sagte die Star-Köchin und Unternehmerin jetzt bei einer Veranstaltung des Tagesspiegels und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Der Fleischkonsum der westlichen Welt, der Wunsch nach immer mehr und immer anderem Essen: Das nehme künftigen Generationen die Lebensgrundlage weg.

Es muss sich etwas ändern im Umgang mit Lebensmitteln und in ihrem Anbau, das wurde deutlich bei der Diskussion um die Frage "Kann Bio die Welt ernähren?". Die Frage blieb das Wie. Denn welche Art der Landwirtschaft geeignet ist, in Zukunft eine wachsende Weltbevölkerung zu versorgen - daran scheiden sich nach wie vor die Geister.

"Bio ist eine Nische"

Zunächst einmal die Abgrenzung: "Mit Bio meinen wir ökologisch angebaute Lebensmittel, ohne Spritzdünger, am liebsten saisonal und regional, in ihrer natürlichen Umgebung aufgewachsen", sagte Wiener. Damit sei nicht notwendigerweise ein Bio-Zertifikat verbunden. Diese Lebensmittel enthielten sekundäre Pflanzenstoffe, die bei der konventionellen Landwirtschaft oft nicht entstünden und gut für die Gesundheit seien.

Volker Koch-Achelpöhler, der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar, hielt dagegen: "Es gibt oft keinen qualitativen Unterschied bei den Lebensmitteln aus ökologischer und konventioneller Landwirtschaft." Dünger und Pflanzenschutzmittel ermöglichten es jedoch, die Weltbevölkerung zu ernähren, die in weniger als zehn Jahren schon acht Milliarden Menschen umfassen könnte.

Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität Berlin, pflichtete ihm bei: Zwischen dem Jahr 2000 und 2050 werde sich der Bedarf der Welt mehr als verdoppeln. Es seien aber nicht die nötigen Nutzflächen vorhanden. Also müsse stattdessen die Produktivität auf den Feldern gesteigert werden. Ökologischer Landbau brauche aber mehr Fläche, sei relativ ertragsschwach. "Bio ist eine Nische", sagte er.

In Diskussion: Volker Koch-Achelpöhler, Gerd Fleischer, Moderatorin Ulrike Scheffer, Sarah Wiener, Professor Harald von Witzke und Felix Prinz zu Löwenstein.
In Diskussion: Volker Koch-Achelpöhler, Gerd Fleischer, Moderatorin Ulrike Scheffer, Sarah Wiener, Professor Harald von Witzke und...Foto: Mike Wolff

"Landwirtschaft muss nachhaltiger werden"

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, machte auf einen anderen Punkt aufmerksam: "Die Frage ist ja nicht nur: Können wir genügend Nahrung erzeugen. Sondern auch: Tun wir das so, dass auch übermorgen noch genügend Nahrung erzeugt werden kann?" Kurz gesagt: Schädigen wir mit unserer Anbauweise die Umwelt so, dass die Landwirtschaft in der Zukunft beeinträchtigt wird? Hier spiele ja auch der Ressourcenverbrauch und die Klimabelastung eine Rolle. Sein Credo: "Wir werden uns ökologisch ernähren - oder gar nicht mehr." So weit geht Gerd Fleischer, Leiter des Themenbereichs Agrarinnovationen der GIZ, nicht. Aber auch er sagt: "Landwirtschaft muss nachhaltiger werden, ob Europa oder in Entwicklungsländern."

"Produktionskosten dürfen nicht vergemeinschaftet werden"

Löwenstein wies außerdem auf die Kosten der Lebensmittel hin. "Wir müssen beginnen, dafür zu sorgen, dass die Preise die ökologische Wahrheit sprechen." Im Grunde müsse man die Belastung des Grundwassers, den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität mitbezahlen. Die Kosten der Produktion dürften nicht vergemeinschaftet werden, während nur der Profit privatisiert sei. "Wenn man sich daran hält, kann sich keiner mehr konventionelle Lebensmittel leisten."

Offen blieb, wie wichtig Kleinbauern in Zukunft werden, die auf ihren Feldern viele verschiedene Lebensmittel nebeneinander anbauen und so produktiver sind. "Für diese Art der Landwirtschaft braucht man viel Wissen und guten Boden", sagte GIZ-Mann Fleischer.

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