Politik : Lang und länger

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Unter seinen SPD-Vorgängern hat er gerade erst sein politisches Vorbild Willy Brandt überholt, da wird schon spekuliert, ob der 59-jährige Kanzler die Republik ewig regieren wolle. Tatsächlich ist Gerhard Schröder im Begriff, die erste Hälfte seiner zweiten Amtszeit über die Runden zu retten. Wollte er dereinst den Langzeitrekord seines Vorgängers Helmut Kohl einstellen, müsste der dritte SPD-Kanzler Deutschlands nicht bloß 2006, sondern auch 2010 siegreich antreten. 16 volle Jahre regierte Kohl und übertraf den früheren Rekordhalter Konrad Adenauer um zwei Jahre. Der „Alte“, wie der gebürtige Rheinländer nicht unbedingt liebevoll genannt wurde, überließ das Kanzleramt nach 14-jähriger Regentschaft nur widerwillig seinem parteiinternen Widersacher Ludwig Erhard. Die zweitkürzeste Kanzlerschaft der Republik währte infolge innerparteilicher Kritik und des Austritts der FDP-Minister nur drei Jahre.

Erhards Nachfolger Kurt Georg Kiesinger blieben trotz Koalitionswechsels – nun regierte statt der FDP die SPD mit – noch zwei Monate weniger: Die Große Koalition sah sich einer wachsenden außerparlamentarischen Opposition gegenüber, die mit zur Wahl des ersten Sozialdemokraten beitrug. Gleichwohl blieben Brandt nur viereinhalb Amtsjahre, ehe er über die Guillaume-Affäre stolperte. Als fünfter Kanzler Deutschlands folgte ihm Helmut Schmidt, der die Geschicke der Republik achteinhalb Jahre lenkte. Selbst um ihn einzuholen, müsste sein politischer „Enkel“ Schröder bei der Bundestagswahl 2006 die Oberhand behalten. Doch dafür muss Rot-Grün in der Wählergunst noch allerhand aufholen. rj

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