Politik : Langer Weg nach Westen

Linke setzen auf Erfolg bei der Bremen-Wahl

Matthias Meisner

Berlin - So weit weg ist der Westen: Kurz vor der Wahl an diesem Sonntag kündigte die Zentrale der Linkspartei/PDS zum Endspurt von diesem Freitag an einen „48-Stunden-Straßenwahlkampf für die sozialen Rechte der Bürgerinnen und Bürger in Bremen und Bremerhafen“ an. Ein „wichtiges Signal“ soll von dem Bundesland ausgehen, dessen Städtenamen Bremerhaven die Genossen in Berlin nicht mal richtig schreiben können.

Aus eigener Kraft blieb die PDS in den alten Bundesländern regelmäßig chancenlos – bei der vergangenen Bürgerschaftswahl 2003 in Bremen etwa erreichte sie gerade mal 1,7 Prozent. Seitdem das Linksbündnis unter Führung von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi bei der Bundestagswahl 2005 an der Weser auf mehr als acht Prozent der Stimmen kam, hoffen die Parteistrategen, dass in Bremen erstmals der Einzug in ein westdeutsches Landesparlament gelingen könnte. „Etwas Besonderes bleiben“ sollten die Bremer, schrieben Lafontaine und Gysi in einem Brief an alle Haushalte, „und große Aufmerksamkeit erzielen, indem Sie diejenigen werden, die als Erste eine Fraktion Die Linke in einem alten Bundesland wählen“.

Ausgeschlossen ist das nicht. In den Umfragen liegt das Bündnis aus Linkspartei/PDS und WASG bei rund fünf Prozent. Richtig einfach aber wird es auch nicht, denn der Weg zum gemeinsamen Antritt der beiden Parteien auf einer Liste war von Pleiten und Streitereien begleitet. Zunächst kamen die Linkspartei/PDS und die auch in der Hansestadt von Trotzkisten dominierte WASG nicht auf einen Nenner. Dann misslang der Versuch, prominente Kandidaten für die Spitze der Liste zu finden – der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel winkte ebenso ab wie der Bremer Rechtsanwalt Rolf Gössner. Den in der WASG-Spitze engagierten Bundestagsabgeordneten Axel Troost schließlich ließen die eigenen Genossen durchfallen – und wählten den weithin unbekannten Betriebsrat Peter Erlanson an die Spitze, der mit seinem grauen Rauschebart als „Karl Marx von Bremen“ firmiert. Sein Äußeres verändern wollte er für den Wahlkampf nicht, wie er den Lesern des „Neuen Deutschland“ erläuterte: „Das hat auch was mit Glaubwürdigkeit zu tun.“

Absehbar besteht nach Bremen für die Linke erst wieder im Herbst 2009 die reelle Chance, in den Landtag eines West-Bundeslandes einzuziehen. Dann wird im Saarland gewählt, Lafontaine als Bundestagsfraktions- und dann wohl auch Parteivorsitzender der Linken will dort Spitzenkandidat werden. Von Bremen derweil könnte ein Signal ganz anderer Art ausgehen: dass nämlich die neuen Linken in den alten Ländern gern verankert wären, es aber noch lange nicht sind. Dass es im Westen schlecht läuft, belegt auch die derzeit laufende Urabstimmung zur Parteifusion: Vor allem in der WASG ist der Rücklauf der Stimmzettel sehr schleppend.

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