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Langjähriger SPD-Politiker : Horst Ehmke ist tot

Er war Minister in verschiedenen Ressorts unter mehreren Bundeskanzlern. Jetzt ist der frühere SPD-Spitzenpolitiker Horst Ehmke im Alter von 90 Jahren gestorben.

Horst Ehmke während eines SPD-Parteitages Anfang der achtziger Jahre in München
Horst Ehmke während eines SPD-Parteitages Anfang der achtziger Jahre in MünchenFoto: imago/Sommer

Der langjährige SPD-Spitzenpolitiker Horst Ehmke ist tot. Der frühere Kanzleramtsminister starb am Sonntag mit 90 Jahren in einem Krankenhaus in Bonn, wie das Büro des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement am Montag mitteilte. Ehmke galt als eine der wichtigsten Stützen von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Legendär wurde seine Antwort auf die Frage seines Fahrers, wohin er ihn denn bringen solle - "Egal, ich werde überall gebraucht!"

Ehmke kam am 4. Februar 1927 als Sohn eines Chirurgen in Danzig zur Welt. Nach Jura-Studium und Habilitation zum Professor für Staatsrecht - in der "Spiegel"-Affäre vertrat er das Nachrichtenmagazin erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht - holte ihn der damalige Bundesjustizminister und spätere Bundespräsident Gustav Heinemann 1966 als Staatssekretär in sein Ministerium.

Horst Ehmke schrieb in den letzten Jahren Kriminalromane.
Horst Ehmke schrieb in den letzten Jahren Kriminalromane.Foto: Uwe Zucchi/dpa

Es war das erste von mehreren Regierungsämtern - Ehmke war auch Bundesjustizminister, Forschungsminster und Postminister. Als besonders prägend galt aber seine Zeit als Kanzleramtsminister unter Willy Brandt von 1969 bis 1972 - Brandt bezeichnete Ehmke als seinen "Spezialisten für alles". Mit dem Rücktritt Brandts 1974 schied auch Ehmke aus der Bundesregierung aus, er hatte ein schwieriges Verhältnis zu Brandts Nachfolger Helmut Schmidt.

Im Parteivorstand der SPD galt er als einer der Wortführer der „linken Mitte“. Als einer der ersten in der SPD-Spitze erkannte er, dass die Sprachlosigkeit in Richtung der Grünen auf Bundesebene nicht ewig anhalten konnte. Auch die Kontakte zur FDP ließ der einstige Sozialliberale nie abreißen.

Im Ruhestand schrieb er Polit-Thriller

Von 1969 bis 1994 war Ehmke aber ein Vierteljahrhundert lang außerdem SPD-Bundestagsabgeordneter und in dieser Rolle lange außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, außerdem war er im SPD-Parteivorstand. Mit dem Abschied vom Bundestag wandte sich Ehmke völlig von der Politik ab und verbrachte seinen Lebensabend mit dem Schreiben von Politik-Thrillern.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, "Ehmke hat sein Leben lang unserem Land und der deutschen Sozialdemokratie unschätzbare Dienste erwiesen, als überzeugter Parlamentarier, als Bundesminister und als langjähriges Mitglied im Parteivorstand". Ohne Ehmkes beständiges Wirken an der Seite von Brandt und Egon Bahr wäre die deutsche Ostpolitik nicht denkbar gewesen, erklärte Gabriel.

Justizminister Heiko Maas (SPD) schrieb der Witwe: "Horst Ehmke war nicht nur einer meiner Amtsvorgänger als Bundesjustizminister, sondern auch einer der eindrucksvollsten Politiker der Bundesrepublik. Wegen seines Intellekts und seiner Lust an der politischen Kontroverse, wegen seiner rhetorischen Schlagfertigkeit und seines scharfzüngigen Humors hatte er zahllose Bewunderer und manche Gegner - unberührt ließ er wohl er keinen." (AFP, dpa)

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