Politik : „Lassen wir das irakische Volk nicht allein“

Kofi Annan fordert bei der Geberkonferenz großzügige Hilfe – seine Erwartungen dürften aber enttäuscht werden

Ralph Schulze[Madrid]

DER IRAK-KRIEG UND DIE FOLGEN

Mit einem Appell an die Großzügigkeit der Weltgemeinschaft ist die internationale Irak-Geberkonferenz in der spanischen Hauptstadt Madrid eröffnet worden. Sowohl UN-Generalsekretär Kofi Annan als auch die irakische Übergangsregierung riefen am Donnerstag dazu auf, die Meinungsverschiedenheiten über den Irak-Konflikt beiseite zu schieben und den rund 24 Millionen Menschen in dem weitgehend zerstörten Land zu helfen. Der Geldbedarf für den notdürftigen Wiederaufbau des Landes wird auf wenigstens 55 Milliarden Dollar geschätzt. Unabhängige Experten setzten nahezu die doppelte Summe an.

Annan forderte zur Eröffnung der Konferenz, an der Delegationen aus rund 60 Staaten teilnehmen: „Der langfristigen Herausforderung des Wiederaufbaus müssen wir uns alle stellen." Der Aufbau des Iraks erfordere ein weltweites Engagement für sehr lange Zeit. „Das irakische Volk hat einen schweren Weg vor sich – lassen wir es ihn nicht alleine gehen." Annan gab zu verstehen, dass er die Rolle der UN im von den USA dominierten Irak weiterhin für nicht ausreichend halte. Aber Hilfe tue trotzdem Not: „Der Wiederaufbau kann nicht verschoben werden. Ich rufe alle Geberländer auf, zu spenden – großzügig zu spenden." Der Vorsitzende der von den USA eingesetzten Übergangsregierung, Ajad Allawi, versprach, dass die Behörden alles tun werden, um die Sicherheitslage zu verbessern. Die schwierige Lage dürfe die internationale Gemeinschaft aber nicht von weiteren Beiträgen abhalten.

Es wird damit gerechnet, dass auf der zweitägigen Geberkonferenz nur rund die Hälfte der von UN, Weltbank und irakischer Regierung anvisierten 55 Milliarden Dollar zusammenkommt. US-Außenminister Colin Powell versuchte in Madrid die Erwartungen zu dämpfen. „Es wird immer eine Finanzierungslücke geben." Die 55 Milliarden Dollar seien ein Ziel, auf das man hinarbeite. Dies brauche aber einige Zeit, sagte Powell. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan erwartet von der Konferenz nur erste Mittel für den Wiederaufbau: „Ich glaube, die kommenden zwei Tage werden, was die tatsächlichen Beiträge betrifft, nur ein Anfang sein."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben