Lateinamerika : Bolivien versinkt im Chaos

Die schweren Unruhen in den abtrünnigen Provinzen weiten sich aus und fordern mindestens neun Tote. Gegner von Präsident Morales besetzen weiterhin gewaltsam öffentliche Gebäude. Unterdessen droht Venezuelas Präsident Chavez sein Eingreifen an, sollte es zu einem Umsturz kommen.

Bolivien
In den Strassen von Bolivien eskaliert die Gewalt. -Foto: dpa

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des linksgerichteten bolivianischen Präsidenten Evo Morales sind am Donnerstag mindestens neun Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Indios, die für Morales demonstrieren wollten, seien in dem Ort Tres Barrancas 1200 Kilometer nördlich von La Paz von Mitgliedern der regionalen Autonomiebewegung im Departement Pando angegriffen worden, berichteten nationale Medien. Der Präfekt von Pando, Leopoldo Fernández, ist einer der erbittertsten Gegner von Morales, des ersten Indio-Präsidenten des südamerikanischen Landes.

Explosiv war die Lage auch in Santa Cruz im Südwesten des Landes, wo Gegner von Morales inzwischen alle Amtsgebäude des Zentralstaates besetzt und verwüstet haben. Im Gegenzug blockierten Anhänger des Präsidenten die Zufahrtsstraßen rund um die mit 1,5 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes. Das Militär teilte mit, ohne schriftlichen Befehl von Morales werde es in den abtrünnigen Regionen öffentliche Gebäude nicht länger gegen gewaltbereite Demonstranten verteidigen.

Polizei und Militär halten sich zurück

Die Präfekten von Pando, Santa Cruz, Beni, Tarija und Chuquisaca fordern eine weitgehende Autonomie von der Zentralregierung in La Paz und erheben Anspruch auf die Einnahmen aus der Erdgas- und Erdölförderung. Diese Gelder benutzt die Regierung Morales bisher, um allen Bolivianern ab 60 Jahren eine Rente zu zahlen. Die Einnahmen könnten jedoch bald versiegen, da Gegner von Morales wichtige Pipelines für den Export von Erdgas nach Brasilien und Argentinien blockierten.

Morales hat trotz der schleichenden Auflösung des Staates Polizei und Militär bisher zur Zurückhaltung angehalten. Indio-Gruppen forderten deshalb bereits die Verteilung von Waffen, um selbst gegen die Aufständischen vorzugehen.

Die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Bolivien verschärfen sich unterdessen weiter. Nachdem Morales den US-Botschafter Philip Goldberg am Mittwoch des Landes verwies, erklärte Washington am Donnerstag auch den diplomatischen Vertreter Boliviens zur unerwünschten Person. Der Schritt von Präsident Evo Morales sei ein "schwerer Fehler", der die beiderseitigen Beziehungen "ernsthaft beschädigt" habe, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack in Washington.

Chavez droht einzugreifen

Aus "Solidarität mit Bolivien" verwies nun auch der linksgerichtete venezolanische Präsident Hugo Chávez den US-Botschafter Patrick Duddy des Landes. "Scheiß-Yankees, geht zum Teufel", schimpfte der international umstrittene Präsident. Gleichzeitig berief er den venezolanischen Vertreter aus Washington zurück. Venezuela werde erst wieder einen Botschafter in die USA schicken, wenn US-Präsident George W. Bush abgelöst worden sei. "Von jetzt an ist Bolivien nicht mehr allein", betonte Chávez. "Wenn Evo gestürzt wird, wenn Evo getötet wird, dann glaubt mir, dass ich in dem Fall grünes Licht haben würde, um jede bewaffnete Bewegung in Bolivien zu unterstützen". In Richtung der USA drohte er für den Fall einer Einmischung mit dem Stop aller Öllieferungen. (jr/dpa/AFP)

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