Lateinamerika-Reise : Chávez reicht Merkel die Hand

Erst polternd, dann lammfromm. Nachdem Venezuelas Präsident Chávez Kanzlerin Merkel vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima übel beschimpft hat, rudert er nun zurück. Er habe sie nicht beleidigen wollen, so der für seine Ausfälle bekannte Staatschef.

Lima Chamäleon Chávez : Nach seinen wiederholten Ausfällen hat sich Venezuelas Präsident gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel überraschend versöhnlich gezeigt. Hugo Chávez, der Merkel kurz vor dem Treffen der 60 Staatsrepräsentanten noch den Verstand abgesprochen hatte, reichte ihr bei dem Gipfel in der peruanischen Hauptstadt Lima am Freitag gleich zweimal die Hand. Dabei habe er gesagt, er habe Merkel nicht beleidigen wollen, hieß es aus deutschen Regierungskreisen.

Agenturberichten zufolge trug Merkel ihm die Äußerungen nicht nach und willigte sogar in ein Foto mit Chávez ein. Merkel hatte sich zuvor nach Jahren zunehmender Distanz nachdrücklich für ein stärkeres Engagement Europas in Lateinamerika ausgesprochen. Es sei ersichtlich, dass "Lateinamerika große Hoffnungen in die Partnerschaft mit Europa" setze, sagte sie am Morgen. "Wir Europäer sind gefordert, das einzulösen", erklärte die Regierungschefin auf ihrer ersten Lateinamerika-Reise weiter.

Fast alle Staatschefs Lateinamerikas anwesend

Es wurde erwartet, dass Lateinamerika und die EU auf dem Gipfel vor allem ihre 1999 geschlossene Partnerschaft bekräftigen werden. Umfangreiche neue Hilfsprogramme standen nicht auf der Tagesordnung. Wohl aber Gespräche über die Armutsbekämpfung in Lateinamerika.

Auch Fortschritte bei dem Abschluss der seit Jahren angestrebten Freihandels- und Assoziierungsabkommen waren im Vorfeld gar nicht erst angestrebt worden - aufseiten der Länder Lateinamerikas gebe es keine Einigkeit. Stattdessen sollten Bekenntnisse zum Klimaschutz, der Migration und zur Gründung einer gemeinsamen Kultur-Stiftung abgegeben werden. Von den 27 EU-Ländern waren nur 15 durch ihre Spitzenrepräsentanten vertreten. So fehlten Großbritanniens Premier Gordon Brown und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Aus Lateinamerika waren dagegen fast alle Staatsspitzen angereist.

Pfeile schießende Staatsfrau

Perus Präsident Alan García sagte zur Eröffnung, die Länder Lateinamerikas stünden fest zur Demokratie und erhoffen sich eine noch intensivere Zusammenarbeit mit Europa. Merkel verteidigte den Aufwand für das Treffen und verwies auch darauf, dass es am Rande zahlreiche bilaterale Begegnungen zwischen einzelnen Staats- und Regierungschefs gebe. So wollte sich Merkel mit Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner, dem gewählten Staatschef Paraguays Fernando Lugo und Boliviens Staatschef Evo Morales treffen.

Chávez hatte Merkel unmittelbar vor dem Gipfel noch einmal attackiert und sie aufgefordert, sich "wie eine Staatsfrau" zu benehmen. Sie solle nicht "Pfeile schießend" nach Lateinamerika zu kommen. Ihr fehle "alles, einschließlich der Vernunft". Auf die Frage, was sie davon halte, meinte Merkel: sie habe dazu "eigentlich alles gesagt". García hatte Merkel bereits nach ihrer Ankunft ausdrücklich gegen die Attacken verteidigt.

Auslöser für den Streit war eine Aussage Merkels, dass Chávez nicht für Lateinamerika spreche. Der linkspopulistische Präsident hatte daraufhin Merkel bereits in die Nähe von Adolf Hitler gerückt.

Merkel wirbt für soziale Marktwirtschaft

In einem Referat warb Merkel zur Bekämpfung der Armut für das Modell der sozialen Marktwirtschaft. In dieser Wirtschaftsordnung würden nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Ausstiegsmöglichkeiten für jedermann ermöglicht, sagte die Kanzlerin. Wichtigster Ansatzpunkt gegen die Armut in Deutschland sei die Schaffung von Arbeitsplätzen. Merkel bekannte sich nachdrücklich zu dem Ziel der EU, gemeinsam mit den Staaten Lateinamerikas auf eine Halbierung der Armut auf den Kontinent hinzuarbeiten. (ck/dpa)

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