Latino-Wähler könnten die US-Wahl entscheiden : Der Swing des Südens

Sie könnten die Wahl in den USA entscheiden: Die Latinos. 24 Millionen von ihnen sind stimmberechtigt. Vor vier Jahren haben sie große Hoffnungen in Obama gesetzt - aber viele sind jetzt bitter enttäuscht. Das hat sogar Romney zu spät begriffen.

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Der Swing des Südens: Wer die Hispanics - immerhin 24 Millionen Wahlberechtigte - für sich einnehmen kann, kann US-Präsident werden.
Der Swing des Südens: Wer die Hispanics - immerhin 24 Millionen Wahlberechtigte - für sich einnehmen kann, kann US-Präsident...Foto: Jose Azel /Aurora/laif

Früher war alles besser. Die Tische in seinem Restaurant waren voll und die Möglichkeiten, die sich für Jesus Ovidaz daraus ergaben, scheinbar grenzenlos. Früher wurden die Träume eines kleinen Einwanderers in Amerika wahr. Das Früher von Jesus Ovidaz endete vor ziemlich genau vier Jahren. So jedenfalls geht seine Rechnung.

Vor ziemlich genau vier Jahren wurde Barack Obama Präsident der USA.

Obama – der Name allein reicht, um Jesus Ovidaz zu reizen. Er schnaubt, kneift die Augen zusammen und schlägt mit der Faust auf einen seiner leeren Tische. „Seit er an der Macht ist, hat sich meine Situation drastisch verschlimmert, und nicht nur meine“, sagt Ovidaz. Seine Stimme ist etwas brüchig geworden im Alter, aufregen kann sich der Gastronom aber noch wie ein Junger. So wie er eigentlich schon immer aufmuckt gegen das, was ihn ärgert. Damals in Kuba, heute in den USA. Genauer gesagt in Hialeah, einer Stadt ganz in der Nähe von Miami.

Die vorherige Runde: Romney punktet gegen Obama im ersten TV-Duell
Die Kandidaten. Mitt Romney (links) will Präsident Barack Obama (rechts) aus dem Weißen Haus vertreiben.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: AFP
04.10.2012 07:53Die Kandidaten. Mitt Romney (links) will Präsident Barack Obama (rechts) aus dem Weißen Haus vertreiben.

Jesus Ovidaz ist einer von 4,2 Millionen Einwanderern aus Lateinamerika, die in Florida ein neues Zuhause gefunden haben. Er gehört zu der Gruppe in den USA, die so rasant wächst, dass sie im Jahr 2050 ein Drittel der Bevölkerung ausmachen dürfte. Künftige Präsidentschaftskandidaten werden sich für ihre Belange einsetzen müssen, aber schon im Herbst 2012 könnten die beinahe 24 Millionen wahlberechtigten Latinos im Land am Ende entscheiden, wer die USA in den nächsten vier Jahren regiert.

Vor vier Jahren haben sie mehrheitlich für Barack Obama gestimmt. Nun sind viele enttäuscht, dass unter seiner Regie zu wenig passiert ist; wütend, dass so viel nicht wahr wurde von dem, was der Mann, dessen Vater selbst nicht in den USA geboren wurde, versprochen hatte. Ovidaz gehört zu den Enttäuschten – und das, obwohl er wie viele ältere Exilkubaner eigentlich ultrakonservativ ist. Und ultraamerikanisch.

Kuba findet im Leben von Jesus Ovidaz nur noch als Erinnerung statt, keine schöne. Sein zweites Leben ist ihm lieber. Überall hängen im Restaurant amerikanische Flaggen. Das Schild mit der Aufschrift „Chico’s Restaurant“ blinkt über der Eingangstür in den Nationalfarben Weiß, Rot, Blau.

„Ich liebe dieses Land“, sagt er, der ein Bild aufgehängt hat, das alle amerikanischen Präsidenten zeigt. Alle, bis auf den aktuellen. Doch er wird die Ahnung nicht los, dass es ihm hier bald so schlecht gehen könnte wie in seinem ersten Leben. Dass er noch einmal arbeits- und mittellos dastehen könnte.

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