Politik : Laufen lassen lernen

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ein guter Motor ist teuer. Das wissen Automechaniker schon lange. Jetzt wissen es auch die Mechaniker der Macht – zumindest beim kleinen Koalitionspartner der Bundesregierung. Bei den Grünen tönen sie ja schon seit langer Zeit, sie seien der wahre Reformmotor dieser Regierung. Ob das stimmt, konnte man bisher leider nicht hundertprozentig überprüfen. Doch haben sich neue Indizien für die Richtigkeit dieser Selbstdarstellung ergeben.

Jedenfalls scheuen die Grünen in ihren schier unendlichen Reformmotormühen keine Kosten. Der Kampf für den Fortschritt hat jetzt jedoch einen Rückschritt in der eigenen Parteikasse bewirkt. Ihr Etat in Höhe von 4,5 Millionen Euro für das laufende Jahr sei schon jetzt um 300 000 Euro überzogen, jammerte Schatzmeister Dietmar Strehl jetzt im „Spiegel“.

Um letzten Sand im Getriebe des Reformmotors zu beseitigen hatten die Grünen unter anderem einen unvorhergesehenen Sonderparteitag abhalten müssen. Dort wurde den übrig gebliebenen Reformzweiflern die Flausen aus dem Kopf getrieben, auch wenn so ein Parteitag natürlich nicht ganz billig ist. Doch selbst in finanzieller Not gehen die Grünen noch als gutes Reformbeispiel voran. Angesichts der prekären Lage hat der Bundesvorstand der Partei in der vergangenen Woche nämlich nicht nur eine Haushaltssperre mit sofortiger Wirkung verhängt. Zusätzlich hat sich das Spitzenpersonal der Grünen sogar bereit erklärt – Achtung, beliebte Politikermetapher – den Gürtel selbst enger zu schnallen. So verzichtet der sechsköpfige Bundesvorstand, darunter auch die beiden Parteichefs, auf die Hälfte des Weihnachtsgelds.

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