Laufzeitverlängerungen : Was passiert mit dem Atommüll

Im Bergwerk Asse ist der eingelagerte Atommüll ein Problem. Aber nicht nur dort. Insgesamt ist nicht geklärt, was mit dem Abfall passieren soll. Welche Konsequenzen haben da die Laufzeitverlängerungen?

Reimar Paul
Atommülllager.
Atommülllager.Foto: dpa

30 Grad Wärme, künstliches Licht, Salzstaub und Lärm. Es gibt angenehmere Arbeitsplätze als die 800-Meter-Sohle im Atommülllager Asse. Doch an diesem Donnerstag dürften die äußeren Bedingungen keinen stören. Gebannt schauen fünf oder sechs Beschäftigte auf einen gewaltigen Bohrer, der sich Stück für Stück in eine mächtige Wand aus Salzgestein schraubt. „20 bis 40 Zentimeter schafft der pro Minute“, sagt Jens Köhler. Der Technische Geschäftsführer der Asse GmbH erläutert, dass die Vorbereitungen zur Bergung der radioaktiven Abfälle aus dem einsturzgefährdeten Bergwerk nun auch praktisch begonnen haben.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit Anfang 2009 Betreiber der Asse, und die von den Beschäftigten getragene GmbH, wollen die rund 126 000 dort eingelagerten Atommüllfässer wieder herausholen. Die am Donnerstag demonstrierte Bohrung ist aber erst mal nur eine Trockenübung. Denn sie erfolgt in einer 45 Meter dicken Wand aus Steinsalz, wo kein radioaktiver Müll eingelagert wurde. In die gebohrte Röhre werden Sonden und andere Messgeräte eingeführt und auf ihre Funktion getestet. „Es geht um das Kalibrieren der Geräte, die Simulation von Abläufen und die Schulung des Personals“, sagt Laske. Wenn die Versuche klappen und die erforderliche Genehmigung des niedersächsischen Umweltministeriums rechtzeitig vorliegt, kann das Anbohren der Atommüll-Kammer Nummer sieben im November beginnen. In diesen Hohlraum waren zwischen 1977 und 1978 mehr als 4300 Fässer mit radioaktiven Abfällen gestapelt oder einfach abgekippt worden. „Wir gehen davon aus, dass die Abfallgebinde zum Teil zerstört sind und dass Radioaktivität ausgetreten ist“, so Laske. Die Bergung des Atommülls werde aber nicht vor 2013 beginnen.

Die technischen Schwierigkeiten und politischen Unwägbarkeiten bei der Bergung der Asse-Abfälle sind immens. Und doch handelt es sich „nur“ um schwach und mittelradioaktive Abfälle. Viel größere Herausforderungen warten bei der Bewältigung des hochradioaktiven Mülls in Deutschland. Bislang sind in den kommerziellen Atomkraftwerken rund 12 000 Tonnen hochaktive Abfälle angefallen. Dazu kommen noch einige tausend Tonnen aus dem Betrieb von Forschungsreaktoren, der Wiederaufbereitung sowie des längst stillgelegten Thorium-Hochtemperaturreaktors in Hamm-Uentrop.

Wäre es bei dem von der rot-grünen Bundesregierung mit den Atomkonzernen ausgehandelten Ausstiegskonzept geblieben, hätte sich die Menge des stark strahlenden Mülls aus Akw nach Angaben des BfS bis zum Ende der Atomkraftnutzung auf etwa 17 200 Tonnen summiert. Durch die nun verkündete Laufzeitverlängerung kommen noch einmal mindestens 5000 Tonnen dazu. Der hochradioaktive Schrott strahlt hunderttausende Jahre und muss dementsprechend lange sicher verwahrt werden. Gegenwärtig werden die abgebrannten Brennstäbe in oberirdischen Hallen an den Akw-Standorten oder in den drei Zwischenlagern Gorleben, Ahaus und Lubmin aufbewahrt. Gorleben ist zudem Ziel von Castortransporten mit Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsfabrik La Hague.

Auf der ganzen Welt gibt es bislang kein einziges genehmigtes und betriebsbereites Endlager für den hochradioaktiven Müll. In der Bundesrepublik hatte die rot-grüne Regierung ein mit Atombefürwortern und -gegnern besetztes Expertengremium eingesetzt; der Arbeitskreis empfahl eine neue Endlagersuche – schrittweise und unter Beteiligung der Öffentlichkeit sollten mehrere Standorte miteinander verglichen werden.

An eine politische Umsetzung der Vorgaben trauten sich die Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) aber nicht heran. Die schwarz-gelbe Regierung setzt auf den geologisch wie politisch verbrannten Salzstock in Gorleben. Befunde über ein undichtes Deckgebirge und Wasserzuflüsse ignoriert die Koalition dabei ebenso wie Dokumente, die eine politische Einflussnahme auf Gorleben-Gutachter nahe legen. Anders als seine Vorgänger wolle er die Entsorgungsfrage aber „nicht einfach unseren Kindern ungelöst vor die Füße schütten“, sagte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).

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