Politik : Laurenz Meyer: Der forsche Westfale verwirrt die eigenen Reihen

Robert Birnbaum

Genau genommen hat die 100-Tage-Schonfrist noch nicht angefangen, weil Laurenz Meyer ja erst noch zum CDU-Generalsekretär gewählt werden soll. Darum herrscht offiziell bei CDU wie CSU nur eitel Vorfreude. Wenn die Mikrofone abgeschaltet sind, ergeht es dem Neuen aber bisweilen schon wie weiland Wilhelm Buschs Kandidaten in der Prüfung für das geistliche Amt: Es geschieht ein allgemeines Schütteln des Kopfes. Jüngster Anlass für derlei bedenkliche Bewegung sind Anmerkungen Meyers in der vorigen Woche zum Verhältnis der CDU zur PDS. Man möge sich die Verhältnisse in den neuen Ländern ansehen, hatte der forsche Westfale geraten und Entkrampfung im Umgang mit der SED-Nachfolgepartei anempfohlen.

PDS-Fraktionschef Roland Claus hat prompt angeboten, stärker gemeinsam gegen die Regierung zu opponieren. Der PDS-Mann zeigte sich freilich skeptisch: An eine Lockerung glaube er erst, wenn sie eingetreten sei. Das war hellsichtig. "Wir als Fraktion haben keinerlei Veranlassung, unser Verhältnis zu ändern", winkte am Montag der Fraktionsgeschäftsführer der CDU/CSU, Hans-Peter Repnik, ab. Ein Verhältnis, das darin besteht, dass Repnik jede Woche mit der Kollegin Heidi Knake-Werner in der Geschäftsführer-Runde zusammensitzt. "Das gehört zum Ablauf", sagt Repnik, will sagen: Mehr läuft nicht ab. Im Gegenteil - dass die PDS zum Beispiel als Mitveranstalter der Demo gegen Rechts am 9. November auftritt, ist für konservative Unionsleute schon Grund zur Absage.

Noch deutlicher als Repnik wird der CSU-Landesgruppenchef Michael Glos. Befragt, ob er Bedarf an Lockerungsübungen habe, verkündet der Franke knapp: "Ich nicht, nein." Und was Meyer angehe, der sei "nicht der Generalsekretär der Unionsfraktion". Gewählt sei er ja auch noch nicht. "Mal sehen, wie stark solche Äußerungen ihn in die Nähe von 100 Prozent bringen", grummelt Glos. Im Übrigen aber will er Äußerungen Meyers nicht kommentieren. Noch nicht. Wegen der Schonfrist.

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