Lebenserwartung : Wer wenig verdient, stirbt früher

Die Lebenserwartung von geringverdienenden Männern ist in den letzten Jahren gesunken. Für die Linkspartei ist das ein Grund, die Rente mit 67 in Frage zu stellen.

von
Der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert untersucht in seinem Arztmobil einen Mann.
Der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert untersucht in seinem Arztmobil einen Mann.Foto: dpa

Berlin - Dass die Deutschen immer älter werden, trifft womöglich nur auf bestimmte Bevölkerungsgruppen zu. Die Lebenserwartung von Geringverdienern sei seit 2001 nicht gestiegen, sondern um eineinhalb bis zwei Jahre gesunken, behauptet die Linkspartei – und bezieht sich dabei auf Angaben der Rentenversicherung, die sie von der Bundesregierung mit der Antwort auf eine Große Anfrage zum Thema „Rente mit 67“ erhalten hat.

Vor zehn Jahren erreichten demnach Männer, die auf weniger als drei Viertel des Durchschnittseinkommens kamen, im Schnitt noch ein Alter von 77,5 Jahren. 2010 waren es in den zwei Gruppen mit dem geringsten Einkommen nur noch 76 beziehungsweise 75,5 Jahre. In den neuen Ländern sank ihre Lebenszeit gar von 77,9 auf 74,1 Jahre. Dagegen leben männliche Gutverdiener inzwischen rund eineinhalb Jahre länger als noch 2001.

Dass Menschen wegen ihrer gestiegenen Lebenserwartung länger Rente bezögen, treffe folglich nur auf Beschäftigte mit höherem Einkommen zu, sagte der Rentenexperte der Linken, Matthias Birkwald. Mit dieser Behauptung aber sei die Rente mit 67 pauschal für alle begründet worden. Das faktische „Rentenkürzungsprogramm“ müsse daher schnellstens zurückgenommen werden.

Ein Sprecher des Arbeitsministeriums wies die Darstellungen der Linken zurück. Es gebe „keinerlei belastbare Anzeichen dafür, dass der grundsätzliche Trend zu einer höheren Lebenserwartung quer durch alle Einkommensgruppen gebrochen wäre“, sagte er. Die Zahlen seien „weder repräsentativ noch aussagekräftig“. Unumstritten ist jedoch, dass arme Menschen in Deutschland generell früher sterben als wohlhabende. Den Grund dafür sehen Experten in deren ungesunder Lebensweise und teilweise auch in einer schlechteren Gesundheitsversorgung.

Autor

59 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben