• Lebenslange Haft für Ex-DDR-Grenzer: Magdeburger Gericht verurteilt Angeklagten wegen Mordes

Politik : Lebenslange Haft für Ex-DDR-Grenzer: Magdeburger Gericht verurteilt Angeklagten wegen Mordes

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Das Magdeburger Landgericht hat die bisher härteste Strafe gegen einen ehemaligen DDR-Grenzsoldaten verhängt und einen Angeklagten am Freitag wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hat der heute 57-jährige Mann aus Ilsenburg 1976 einen Bundesbürger auf der westlichen Seite der Grenzsicherungsanlagen aus Heimtücke und ohne Warnung erschossen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten sechseinhalb Jahre Haft wegen Totschlags gefordert.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte auf einen arg- und wehrlosen Bundesbürger rücksichtslos geschossen hat, der sich zuvor bereits mehrfach angetrunken an der Grenze bei Bad Harzburg aufgehalten hatte. "Selbst den einfachsten Grenzsoldaten war der Mann als harmloser Alkoholiker bekannt", hieß es in der Urteilsbegründung. Nach Ausnüchterung und einer eindringlichen Belehrung über die Gefährlichkeit seiner nächtlichen Ausflüge sei der Mann stets wieder in die Bundesrepublik abgeschoben worden, sagten Zeugen in dem Prozess aus. Der Kohlenträger aus Bad Harzburg, der sich in jener Nacht am 10. Juni 1976 wieder an der Grenze aufgehalten hatte, rief nach Angaben des Gerichts: "Hallo, Freunde." Der Angeklagte habe geantwortet "Hier sind deine Freunde" und sofort gefeuert. Das Opfer erlitt einen Bauchschuss und starb kurz darauf. Um den Vorfall zu vertuschen, sollen Stasi-Mitarbeiter die Leiche später in einer Magdeburger Grünanlage abgelegt haben. In Zeitungen wurde die Bevölkerung aufgerufen, Hinweise zu dem "unbekannten Toten" zu geben.

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Meininger Landgericht unterdessen einen ehemaligen Angehörigen der DDR-Grenztruppen zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Der 64-Jährige soll zudem eine Geldbuße von 2000 Mark zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der frühere Hauptmann nicht nur die Funktion des Kompaniechefs ausübte, sondern als Leiter des Dokumentationstrupps auch für die Auslegung von zwei Minenfeldern an der thüringisch-bayerischen Grenze mitverantwortlich war.

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