Lebensmittelkrise : Senegals Präsident fordert Abschaffung der FAO

Senegals Staatschef Abdoulaye Wade hat der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) die Hauptschuld an der weltweiten Lebensmittelkrise gegeben und ihre Abschaffung gefordert. Die Aktivitäten der Organisation nannte er "Geldverschwendung".

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DakarWade sagte am Sonntagabend, trotz der Verdienste ihres senegalesischen Chefs Jacques Diouf sei es "die Institution FAO, die in Frage gestellt werden muss". Die Ansprache zur Lebensmittelkrise wurde im Radio und im Fernsehen übertragen. "Die derzeitige Lage beruht weitgehend auf ihrem Versagen", sagte er weiter. Wade erinnerte daran, dass er wiederholt eine Verlegung des FAO-Sitzes von Rom nach Afrika gefordert habe. "Dieses Mal gehe ich weiter: Wir müssen sie abschaffen."

Die Aktivitäten der FAO, die sich mit denen vieler, offenbar wirkungsvollerer Institutionen überschnitten, seien "Geldverschwendung", sagte Wade weiter. So habe die FAO 1,7 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) für ein Notfallprogramm gefordert, bei dem Saatgut und Dünger an arme Landwirte verteilt werden sollen. Der internationale Agrar-Entwicklungsfonds (Fida), ebenfalls eine UN-Institution, habe für solche Zwecke jedoch schon 200 Millionen Dollar zugesagt. Dies zeige die "zunehmende Marginalisierung" der FAO. Die Organisation solle daher abgeschafft und die Fida zu einem weltweiten Landwirtschaftshilfsfonds mit Sitz in Afrika ausgebaut werden.

Zur Lage in seinem Land sagte Wade, es gebe keine Hungersnot. Sein Land strebe die Selbstversorgung mit Lebensmitteln binnen sechs Jahren an. Dafür plane die Regierung umgerechnet 524,2 Millionen Euro ein. Im Senegal hatten in den vergangenen Wochen wiederholt zahlreiche Menschen gegen zu hohe Lebensmittelpreise demonstriert. (th/AFP)

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