Lebensmittelpreise : Währungsfonds: Hunderttausende könnten verhungern

13.04.2008 12:56 Uhr
Dürre in Malawi Foto: dpa
Die Bewohner armer Staaten wie Malawi sehen einer Hungerkrise entgegen. - Foto: dpa

Die weltweite Preisexplosion bei Nahrungsmitteln könnte hunderttausende Menschenleben kosten – vor allem in den Entwicklungsländern. Der steigende Energiehunger der Industriestaaten, der mit Öko-Sprit von den Anbauflächen der Dritten Welt gestillt wird, treibt die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe.

WashingtonNeben den derzeitigen Finanzkrisen bereitet dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die weltweit steigende Inflation insbesondere bei den Kosten für Nahrung und Energie die größten Sorgen. "Wenn die Lebensmittelpreise sich weiter so entwickeln wie zur Zeit, werden die Auswirkungen schrecklich sein", sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn bei einem Treffen in Washington. Hunderttausende würden verhungern, der Entwicklungsfortschritt der vergangenen fünf bis zehn Jahre könnte "vollständig zerstört" werden.

Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) nimmt die Befürchtungen des IWF-Chefs ernst.

Sie hat angesichts der explodierenden Nahrungsmittelpreise gefordert, den Einsatz von Biotreibstoffen zu überdenken. "Die Beimischungsziele müssen weltweit auf den Prüfstand", sagte sie auf der gemeinsamen Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

Öko-Sprit gefährdet Armutsbekämpfung

Der rasante Anstieg der Preise für Lebensmittel sei zu 30 bis 70 Prozent auf die zunehmende Produktion von Öko-Sprit zurückzuführen. Die immer teurere Nahrung sei "eine Gefahr für Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und den Frieden in der Welt", betonte die Ministerin, die zugleich die deutsche Weltbank-Gouverneurin ist. In zahlreichen, vor allem armen Staaten wie Haiti ist es wegen der hohen Preise bereits zu Unruhen, Plünderungen und Gewalt gekommen.

Nach Angaben der Weltbank stiegen die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent, für Weizen sogar um 181 Prozent. Der Präsident der Entwicklungshilfeorganisation, Robert Zoellick, sieht dadurch die Erfolge im Kampf gegen die Armut während der vergangenen sieben Jahr in Gefahr.

Chinesen essen anders

Auch die Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen warnt vor der Gefahr durch weitere Preissteigerungen. Einer Studie zufolge sind die weltweiten Preise für Lebensmittel alllein seit 2007 um rund 57 Prozent gestiegen.

Als wichtigste Auslöser der Preisexplosion gelten neben den Biotreibstoffen auch veränderte Ernährungsgewohnheiten in aufstrebenden Staaten wie China, ausgedehnte Dürren etwa in Australien und der hohe Ölpreis. "Es wird dem weltweiten Klima nichts nutzen, wenn in den Industrieländern die Autos mit Agrarkraftstoffen fahren und zugleich am Äquator die tropischen Regenwälder abgeholzt werden", sagte Wieczorek-Zeul.

Entwicklungsländer in der Pflicht

Es sei nicht akzeptabel, dass wegen der hohen Nahrungsmittelpreise die bisherigen Erfolge der Entwicklungshilfe um Jahr zurückgeworfen würden. Die Weltbank müsse ihre Programme in betroffenen Ländern umstellen, um die unmittelbare Not der betroffenen Menschen zu lindern, sagte die Ministerin.

Allerdings seien die Entwicklungsländer selbst auch in der Pflicht, ihre Landwirtschaft stärker auszubauen. Die afrikanischen Länder hätten sich vor einigen Jahren vorgenommen, zehn Prozent ihrer Mittel in den Agrarsektor fließen zu lassen. Das hätten einige inzwischen erreicht, andere jedoch noch nicht, sagte sie. (iba/dpa/AFP)

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