Politik : Lebenszeichen von den Sahara-Geiseln

Videobotschaft aus Mali: Die Entführten leben, aber die Nahrung wird knapp / Tuareg-Chef vermittelt

Ralph Schulze

Madrid/Bamako. Die Kidnapper der 14 europäischen Urlauber haben sich offenbar im algerischen Nachbarland Mali gemeldet. Örtlichen Medienberichten zufolge schickten sie Anfang der Woche ein Video an Staatspräsident Amadou Toumani Toure, auf dem die Geiseln zu sehen sind und die Geiselnehmer Bedingungen für eine Freilassung mitteilen. Die ARD berichtete, auch den deutschen Sicherheitsbehörden sei ein Video zugestellt worden. Darauf seien alle Geiseln zu sehen; sie würden ihre Angehörigen grüßen. Auf dem Band sei auch ein Datum aus den letzten Tagen zu sehen, so dass Sicherheitskreise davon ausgingen, dass das Video nach Ankunft der Geiseln in Mali entstanden sei. In Mali hieß es, einem als Vermittler eingeschalteten Tuareg-Chef sei es gelungen, Kontakt mit den Terroristen herzustellen. Die Entführer halten seit fünf Monaten neun Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer gefangen.

In westlichen Regierungskreisen wurde angedeutet, dass die Nachrichten aus Malis Hauptstadt Bamako „in die richtige Richtung“ weisen. Aus dem Umfeld der Vermittler in Nordmali verlautete: „In ihrer Botschaft haben uns die Entführer mitgeteilt, dass die Geiseln noch leben, auch wenn sie immer mehr Schwierigkeiten hätten, sie mit Nahrung zu versorgen.“ Schon vor einigen Tagen gab es Berichte, dass das Geiselversteck in Nordmalis Wüste lokalisiert worden sei.

Zum Tod der Deutschen Michaela Spitzer, die bereits vor über einem Monat – offenbar an Hitzschlag – gestorben war, nahmen die Entführer diesen Angaben zufolge keine Stellung. Die Antwort der Kidnapper auf die Vermittlungsversuche der Nomaden, die von westlichen Diplomaten und Agenten begleitet werden, wird als „positives Zeichen“ gewertet. Manches deute darauf hin, dass auch die Terroristen, die sich in Nordmali sicherer fühlen können als zuvor in Algerien, an einem Ende der Entführung interessiert seien. Seit vergangener Woche, berichten übereinstimmend europäische wie afrikanische Quellen, sollen sich die Kidnapper mit den Geiseln im Norden Malis bei der Oasenstadt Kidal im Adrar-Bergmassiv versteckt halten.

Die Grenze zwischen Mail und Algerien, wo die Entführung Ende Februar begann, ist fast 2000 Kilometer lang, verläuft durch unwegsames Gelände und wird nicht kontrolliert. Aus Algerien war berichtet worden, dass die Flucht nach Mali Teil einer Abmachung sein könnte, die „freies Geleit“ vorsieht, wenn die Gefangenen freigelassen werden. Dem Vernehmen wollen sich die islamistischenTerroristen, die in Nordmali über mehrere Basen verfügen, absichern, dass nach der Freilassung kein Militärschlag gegen ihre Stützpunkte erfolgt.

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