Lech Walesa : Streit um angebliche Spitzeltätigkeit eskaliert

Der Streit um die angebliche Spitzeltätigkeit des früheren polnischen Staatspräsidenten Lech Walesa verschärft sich. Jetzt sollen Originalabschriften aus seiner angeblichen Tätigkeit als Spitzel des Geheimdienstes auftaucht sein. Das behauptet zumindest der ehemalige Regierungschef Jaroslaw Kaczynski.

WarschauWalesas nationalkonservativer Widersacher, Ex-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, sagte am Donnerstag, er habe "grafologisch geprüfte" Originalberichte des Geheimen Mitarbeiters "Bolek" an den kommunistischen Geheimdienst gesehen. Nach Angaben des Instituts des Nationalen Gedenkens (IPN) war "Bolek" der Deckname Walesas bei seinen Kontakten mit der politischen Polizei in den 70er Jahren. Bislang sind nur die von der Polizei angefertigten Abschriften der Spitzel-Berichte bekannt gewesen.

Der frühere Gewerkschaftsführer Walesa (64) war von 1990 bis 1995 erster demokratisch gewählter Staatspräsident Polens. Nach Kaczynskis Darstellung soll ihm der damalige Chef des Verfassungsschutzamtes (UOP), Andrzej Milczanowski, die Dokumente Anfang der 90er Jahre gezeigt haben. Milczanowski wies das jedoch als "Lüge" zurück. Eine im November 1990 vorgenommene Handschriftenanalyse habe nicht bestätigen können, dass die Berichte von Walesa stammten. Jaroslaw Kaczynski hasse Walesa und wolle ihm nur schaden, betonte Milczanowski.

In einem am Montag erschienenen Buch behaupten zwei IPN- Historiker, der spätere Friedensnobelpreisträger Walesa habe Anfang der 70er Jahre in seiner Zeit an der Danziger Lenin-Werft als bezahlter Spitzel "Bolek" mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet. Nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten 1990 habe er zudem versucht, seine frühere Tätigkeit rechtswidrig zu vertuschen. Er habe sein Dossier aus dem Archiv ausgeliehen und belastende Dokumente vernichtet. Das nationalkonservative Lager um die Zwillingsbrüder Kaczynski warf Walesa vor, aus Angst vor Aufdeckung seiner Vergangenheit nach 1989 die Postkommunisten begünstigt zu haben. Walesa wies die Vorwürfe zurück und sagte, die angeblichen Spitzel-Berichte seien in Wirklichkeit vom Geheimdienst gefälscht worden um ihn zu kompromittieren. (mfa/dpa)

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