Politik : Lehmann: Kein Angebot vom Papst

Insider sehen in Berichten den Versuch, den Kardinal als Chef der Bischofskonferenz loszuwerden

Martin Gehlen

Vatikanstadt - Kardinal Karl Lehmann hat Meldungen der „Bild“-Zeitung dementieren lassen, der neue Papst Benedikt XVI. wolle ihn an die Kurie nach Rom berufen. „Da ist nichts dran“, sagte die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns. Der 68-jährige Lehmann gilt innerhalb der katholischen Kirche als Reformer und Kritiker des nun zum Papst gewählten Joseph Ratzinger. Auch Lehmanns Mainzer Sprecher Tobias Blum nannte den Bericht „reine Spekulation“. Er stamme nicht von dem Vatikan-Reporter der Zeitung, Andreas Englisch, sondern von dem „Bild“-Redakteur Rolf Kleine aus Mainz. Zudem nenne der Bericht nicht einmal das Amt, um das es angeblich gehe. Für die im Augenblick einzig offene Personalentscheidung, den Nachfolger von Ratzinger an der Spitze der Glaubenskongregation, bezeichnet „Bild“ – wie auch andere Zeitungen – den Wiener Kurienkardinal Christoph Schönborn als aussichtsreichsten Kandidaten.

In deutschen Kreisen im Vatikan geht man davon aus, dass hinter der angeblichen Nachricht der Versuch steckt, eine innerkirchliche Kampagne gegen Lehmann anzufachen. Auf diese Weise solle verhindert werden, dass dieser im September noch einmal für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz kandidiert. Offenbar gibt es im Vatikan in jüngster Zeit Überlegungen, die Statuten aller Bischofskonferenzen so zu ändern, dass Vorsitzende in Zukunft nur noch für zwei Amtsperioden gewählt werden dürfen. Lehmann, der bislang im Herbst für eine vierte Wahlperiode antreten will, würde dann sehr unter Druck geraten, den Platz für einen Mann mehr nach dem Geschmack des neuen Papstes freizumachen. Lehmann selbst hatte jüngst einen „spannungsvollen Dialog“ mit dem neuen Papst angekündigt.

Einen Monat vor dem Votum der Bischofskonferenz wird Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Köln reisen. Gastgebender Oberhirte des Megatreffens, zu dem 400 000 Jugendliche aus aller Welt erwartet werden, ist der Kölner Erzbischof Joachim Meisner.

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