Politik : Lehmann kritisiert Gewalt im Islam

Martin Gehlen,Bernd Ulrich

Der Westen hat nach Ansicht von Kardinal Lehmann ein zu heiles und zu schönes Bild vom Islam. Der Islam habe ein doch irgendwie ungebrochenes Verhältnis zur Gewalt, kritisierte der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Es sei schwierig, muslimische Gesprächspartner zu finden. "Die Repräsentanten des Islam in Deutschland kennen sich mit theologischen Fragen oft weniger aus und beschönigen die Dinge eher."

Das Gewaltproblem im Islam sei letztlich nicht gelöst - der Gott, der sich immer durchsetze, Mohammed ein Krieger, der siege. "Leid und Schmerz darf es nach der Vorstellung des Islam eigentlich nicht geben. Das Kreuz und der dreifaltige Gott trennen uns", sagte Lehmann. Er kritisierte, das viele Muslime in Deutschland im Ghetto lebten und viele Moscheen fundamentalistisch seien. Die katholischen Fachleute seien eher skeptisch, was den Dialog mit dem Islam angehe. Und dennoch gebe es keine Alternative zum Dialog, "wenn er klar und zielstrebig geführt wird."

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel führte der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz zudem aus, in Deutschland seien viele gegenüber dem Islam bisher zu blauäugig und zu naiv gewesen. Schließlich verbiete der fundamentalistische Islam den Frauen, alleine einkaufen zu gehen und Mädchen dürften nicht in die Schule.

Unterdessen forderte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU), dass künftig auch die Religionszugehörigkeit von Ausländern obligatorisch erfasst werden müsse. Dies müsse Teil eines dritten Anti-Terror-Paketes sein, forderte der CDU-Politiker am Samstag im DeutschlandRadio Berlin. Bisher wird dieses Merkmal nur auf freiwilliger Basis im Ausländer-Zentralregister gespeichert. Nach Bosbachs Worten muss eine "Brandmauer" gegen Terrorismus und religiös motivierten Extremismus errichtet werden.

Zum Thema Fotostrecke: Djerba und die Folgen In Deutschland sind nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die Ermittler inzwischen auf einen weiteren Hinweis für eine Verbindung zwischen den Mülheimer und Duisburger Verdächtigen sowie der so genannten Hamburger Terrorzelle gestoßen. In der Wohnung des Mülheimers Christian G., den der mutmaßliche Attentäter kurz vor der Explosion angerufen hat, soll ein Zettel mit der Bankverbindung des seit fünf Monaten inhaftierten Mounir El Motassadek gefunden worden sein. Christian G. ist ein deutschstämmiger Spätaussiedler aus Polen, der zum Islam konvertiert ist. Die Staatsanwaltschaft wirft Motassadek Unterstützung der Hamburger Attentäter vom 11. September vor.

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