Politik : Lehren in der Krise

„Save the Children“ will acht Millionen Kindern bis 2010 eine Grundbildung ermöglichen

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Berlin - Der Mann aus Kambodscha erzählt von ersten Erfolgen in seinem Land: Mit dem Motorrad schlagen sich Lehrer auf Pfaden durch den Regenwald – bis zu Dörfern, in denen zuvor drei Generationen keinerlei Schulunterricht bekamen.

Der Ort Veal Ving wird bald wieder einige der zehn Grundschulen nutzen, die auf vermintem Boden stehen. Das Dorf war 20 Jahre lang zentraler Punkt bei Auseinandersetzungen zwischen Roter Khmer und Regierungstruppen. Jetzt werden 50 Hektar Land von Minen gesäubert.

Das sind Ergebnisse, die die Organisation Save the Children in Kambodscha erzielte. „Mein Land schaut auf dreißig Jahre Kriegserfahrung, die alle Bildungssysteme zerstört hat“, sagte Sou Sophorn Nara am Dienstag in Berlin. Die Kinderhilfsorganisation stellte gestern in 45 Ländern ein Bildungsprojekt vor: Sie will acht Millionen Kindern in Krisengebieten bis 2010 eine Grundausbildung ermöglichen. 350 Millionen Euro Spendengelder sind dafür nötig. Insgesamt erhalten 100 Millionen Kinder weltweit keine Schulbildung. Mehr als ein Drittel davon lebt in Ländern, die als instabil gelten. „Wir haben zu oft gehört: Da ist Krieg, da kann man nicht unterrichten“, berichtet Burkhard Gnärig, Geschäftsführer von der „International Save the Children Alliance“.

Dabei seien manche Länder über Jahre Konfliktgebiet und schwanken so stets zwischen Nothilfe und Entwicklungshilfe. Diese Maßnahmen enthielten aber selten Bildungsprojekte: „Eine schreiende Ungerechtigkeit, die die internationale Gemeinschaft mit einer gewissen Nonchalance hinnimmt“, sagt Gnärig. Er erinnert an eines der Millenniumsziele der UN, bis 2015 die Grundschulbildung aller Kinder der Welt zu sichern. „Wir wollen die internationale Gemeinschaft damit beschämen, was eine einzige Organisation alleine schaffen kann“, sagte er.

Eine Studie zum Projekt übergab Save the Children gestern der Bundesregierung. Ziel sei, Bildung in die Nothilfe aufzunehmen. Kofi Annan und die Weltbank seien bereits über das Projekt informiert.

Save the Children Deutschland wird sich um vier Länder – Afghanistan, Elfenbeinküste, Kambodscha und Sri Lanka – kümmern. jea

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