Politik : Lehrer für den ganzen Tag

In Kiel denken die Parteien über neue Arbeitszeiten an Schulen nach

Günter Beling[Hamburg]

Ein Modell für Schulen in der die ganzen Republik? In Schleswig-Holstein jedenfalls wächst die Bereitschaft, Lehrer künftig ganztägig in den Schulen zu beschäftigen. Nach Vorstößen von CDU und SPD wies jetzt Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) am Rande des SPD-Bildungsparteitags in Norderstedt darauf hin, dass dazu langfristig die Voraussetzungen geschaffen werden müssten: Dazu gehöre die Ausstattung mit Schreibtisch, Arbeitsmaterial und Computer. Bisher leisten Lehrer einen Teil ihrer Verpflichtungen in Heimarbeit ab.

CDU-Spitzenkandidat Harry Peter Carstensen hatte neue Präsenzzeiten angeregt und auf Frankreich verwiesen: „Ich will prüfen lassen, ob Lehrer wie in anderen europäischen Ländern ihre gesamte Arbeitszeit ganztags in der Schule verbringen können.“ SPD-Fraktionschef Lothar Hay sagte, der Vorschlag gehe in die richtige Richtung: „Das ist ein Weg, wenn wir mehr Ganztagsschulen einrichten wollen.“ In Skandinavien seien Ganztagslehrer üblich. Bisher sind nur 23 von rund 1000 Schulen im Norden ganztägig in Betrieb. Dank der Fördermittel der Bundesregierung sollen es jetzt mehr werden – meist zunächst als „offene Ganztagsschule“ mit freiwilligen Projekten und Hausaufgabenhilfe. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte vor einer „versteckten Arbeitszeitverlängerung“.

Erdsiek-Rave sagte, an den bestehenden Ganztagsschulen gebe es bereits den ganztägigen Arbeitseinsatz: „Lehrer, die sich dafür bewerben, akzeptieren das.“ Der neue Ansatz stoße auf offene Ohren: „Alleine zu arbeiten, fördert das Einzelkämpfertum.“ Allerdings sei die verbesserte Ausstattung in Schleswig-Holstein Sache der Kommunen. Das Land stellt die Lehrer.

Bildung müsse „Lust am Lernen“ fördern, heißt es im Leitantrag der SPD. Deutschen Schulen stünden in Studien so schlecht da, weil es große Unterschiede zwischen den Schularten des gegliederten Systems gebe. In keinem anderen OECD-Land entscheide die soziale Herkunft so stark über den Schulerfolg wie in Deutschland. Die Schüler sollten daher langfristig wie in den meisten europäischen Ländern von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden.

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