Lehrerausbildung : Gewerkschaft fordert Lehrer-Pisa

Die Lehrergewerkschaft VBE wirft der Politik mangelndes Engagement für gute Bildung vor. Auch die OECD sieht vor allem bei der Ausbildung der Lehrer Handlungsbedarf: sie müsse praxisnäher werden.

Osnabrück/BerlinDer Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert die Ausbildung von Pädagogen in Deutschland und fordert ein "Lehrer-Pisa". Damit solle auch die Arbeit der Lehrer überprüft werden, um die Qualität der Bildung zu verbessern, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Ludwig Eckinger im Deutschlandradio Kultur. Er warf der Politik mangelndes Engagement für gute Bildung vor. Dies führe zu schlechten Rahmenbedingungen.

Eckinger beklagte eine praxisferne Ausbildung der Pädagogen. Diese werde an Universitäten oft als "fünftes Rad am Wagen" behandelt. Die Folge sei ein mangelndes Selbstbewusstsein bei den Lehrern, was auch UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz in seinem Bericht über das deutsche Bildungssystem festgestellt habe. Der VBE-Bundesvorsitzende forderte ferner bessere Strukturen für die Sozialarbeit an Schulen. In diese sollten auch Schulpsychologen, Polizei und Kirchen einbezogen werden.

Pädagogische Elemente in der Lehrerausbildung stärken

Auch der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher hat eine radikale Reform der Lehrerausbildung in Deutschland gefordert. "Wir versuchen heute, Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern mit einem Ausbildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem zu unterrichten, das im 19. Jahrhundert konzipiert wurde", kritisierte der Koordinator der internationalen Bildungsstudie Pisa in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der Lehrerausbildung mangele es vor allem an Praxisbezug. Attraktivität und Ansehen des Lehrerberufs dürften nicht allein auf dem Beamtenstatus beruhen, sondern auf Kreativität, Innovation und Verantwortung. In erfolgreichen Bildungssystemen hätten pädagogische Elemente oft einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland, sagte Schleicher, der Abteilungsleiter bei der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) ist. "Vor allem stehen sie am Anfang der Lehrerausbildung, statt auf eine Fachausbildung oben drauf gesetzt zu werden."

OECD fordert radikale Reform

In Deutschland müsse Schule radikal anders organisiert werden als bisher. Die Einrichtungen müssten selbst die Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen statt sie auf andere Schulformen abzuwälzen.

Der UN-Sonderberichterstatter Munoz hatte im März dem deutschen Bildungssystem unter anderem Diskriminierung von sozial schwachen Schüler vorgeworfen. Am Montag hatte der UN-Sonderberichterstatter angekündigt, die Bundesrepublik weiter kritisch im Blick behalten zu wollen. (mit AFP/ddp)

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