Lehrstellen-Lücke : Bundesregierung plant Sofortmaßnahmen

Als Reaktion auf die Lehrstellen-Krise in Deutschland stellt die Bundesregierung ausbildungswilligen Betrieben Erleichterungen in Aussicht. Gewinnen will sie vor allem "Neueinsteiger" unter den 500.000 Unternehmen.

Nürnberg/Berlin - Zielgröße seien 50.000 neue Ausbildungsbetriebe, hieß es. "Wir wollen in den nächsten Wochen Sofortmaßnahmen ergreifen, die Hindernisse beseitigen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Montag in Aachen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet für dieses Ausbildungsjahr mit einer hochgerechneten Lücke bis 50.000 Lehrstellen. Das sei nicht hinnehmbar, sagte sie in Berlin. Das Bundeskabinett werde am Mittwoch beraten, welche "motivierenden" Anstrengungen für mehr Ausbildungsplätze unternommen werden könnten. Die Kanzlerin wies darauf hin, dass noch über drei bis vier Jahre hinweg zusätzliche Ausbildungsplätze gebraucht würden.

Rund vier Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres verstärkten die 178 Arbeitsagenturen in Deutschland am Montag ihre Anstrengungen gegen die Lehrstellen-Krise. Bei Firmenbesuchen und Telefonaktionen appellierten die Behördenmitarbeiter an Firmenchefs, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Das Ergebnis der eintägigen Kampagne zum "Tag des Ausbildungsplatzes" werde frühestens am Dienstag vorliegen, sagte eine BA-Sprecherin.

Ausbildungspakt steht in Frage

Die schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt löste erneut eine Debatte über die Effizienz des zwischen Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit und Regierung geschlossenen Ausbildungspakts aus. Das SPD-Präsidium forderte in Berlin, den Ausbildungspakt fortzusetzen, aber zugleich weiterzuentwickeln. Die neue stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock sprach von einer Mogelpackung: "Die Unternehmen haben unter dem Strich nicht mehr, sondern weniger Ausbildungsplätze angeboten."

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Priska Hinz, stellte den Ausbildungspakt in Frage. In seiner jetzigen Form helfe er den Jugendlichen nicht weiter. Alternativ forderte Hinz Bund und Länder auf, öffentliche Aufträge bevorzugt an Ausbildungsbetriebe zu vergeben.

Dagegen warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor einer Dramatisierung der Lage. Bis Ende April seien zwei Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr. "Wir können also weder Entwarnung rufen noch sollten wir jetzt schon sagen: ist gescheitert", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Montag im TV-Sender N24. Bislang hätten die IHKs rund 10.000 neue Lehrstellen einwerben können.

Bis Ende April haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) 591.000 junge Menschen eine Lehrstelle gesucht - 20.300 mehr als vor einem Jahr. Demgegenüber sei die Zahl der unbesetzten Lehrstellen um 6200 auf 345.900 gesunken. Daraus ergebe sich eine Lehrstellenlücke von 215.000. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatte die Lücke zwischen Lehrstellen und Bewerbern 175.100 betragen. Aktuelle Zahlen will die BA an diesem Mittwoch (31. Mai) vorlegen. (tso/dpa)

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