Politik : Leibwächter im Jemen erschossen Deutsche Botschafterin sollte entführt werden

Sanaa/Berlin - Ihr neues Amt hatte sie erst vor einer Woche angetreten. Am Sonntag entging die deutsche Botschafterin im Jemen, Carola Müller-Holtkemper, offenbar nur knapp einer Entführung. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen wurde bei dem Entführungsversuch ihr Leibwächter getötet. Er starb demnach, als er versuchte, die Verschleppung zu vereiteln, wie aus westlichen Diplomatenkreisen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verlautete. Bewaffnete verübten den Angriff laut Sicherheitskreisen im Botschaftsviertel Hadda aus einem Auto heraus. Den Angreifern sei die Flucht gelungen. Nach jemenitischen Medienberichten galt der Entführungsversuch auch dem Leibwächter. Er wurde demnach erschossen, als er sich wehrte.

Zur Person des Getöteten lagen bis zum Abend keine genauen Angaben vor. „Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind intensiv um Aufklärung des Sachverhalts bemüht“, sagte eine Sprecherin. Auch die Bundespolizei äußerte sich zunächst nicht – sie stellt die Leibwächter für die deutschen Diplomaten im Ausland.

Die deutsche Botschaft war eine der westlichen Vertretungen im Jemen, die nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes zuletzt vom Terrornetzwerk Al Qaida bedroht worden sind. Im August blieb die deutsche Botschaft wegen der Drohungen zwei Wochen lang geschlossen. Auch andere westliche Staaten wie Großbritannien, Frankreich und die USA machten ihre Botschaften in Sanaa vorübergehend dicht. Für den ganzen Jemen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Müller-Holtkemper hatte erst am 30. September dem Präsidenten der Republik Jemen, Abd Rabo Mansoor Hadi, ihr Beglaubigungsschreiben überreicht. Hadi lobte bei dieser Gelegenheit die deutsch-jemenitischen Beziehungen und dankte für die von Deutschland geleistete Unterstützung. Die 57-jährige Karrierediplomatin war zuletzt seit 2010 Botschafterin der Bundesrepublik in Albanien. Die studierte Volkswirtin trat 1985 in den diplomatischen Dienst ein. 1996 wurde sie Botschafterin in Armenien. Zu ihren weiteren Stationen gehörten die Niederlassungen in Amman, Kairo, Bagdad, Rabat und Khartum. Zudem hatte sie Posten im Auswärtigen Amt. Müller-Holtkemper ist verheiratet. AFP/dpa/Tsp

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