Leichenschändung : "Schockierend und abscheulich"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein hartes Durchgreifen gegen die Bundeswehrsoldaten gefordert, die auf Fotos mit einem Totenkopf in Afghanistan zu sehen sind. Die beteiligten Männer kamen offenbar aus Bayern.

Berlin - Jetzt müsse unmissverständlich deutlich gemacht werden, "dass ein solches Verhalten verwerflich und durch nichts zu entschuldigen" sei, sagte Merkel nach Angaben von Vizeregierungssprecher Thomas Steg. Die Vorfälle müssten so schnell wie möglich aufgeklärt werden, gegen die Verantwortlichen müsse "mit aller Härte" durchgegriffen werden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich in Berlin ebenfalls "bestürzt über die abscheulichen Fotos".

Ein solches Verhalten schade dem Ansehen der Bundeswehr, die sich in ihren internationalen Einsätzen eine hohe Reputation und viel Zustimmung erworben habe, berichtete Steg weiter aus dem Kabinett. Auch das Ansehen Deutschlands nehme dadurch Schaden. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) habe ausführlich berichtet und klargemacht, dass jemand, der sich so verhält, in der Bundeswehr nichts zu suchen habe.

Steinmeier nannte die Handlungen der Bundeswehrsoldaten "zudem eine Beledigung für die vielen tausend deutschen Soldaten", die gerade im Ausland unter schwierigen Bedingungen ihren Dienst für das Land leisteten.

Die an der mutmaßlichen Totenschändung in Afghanistan beteiligten Bundeswehr-Soldaten kamen einem Pressebericht zufolge aus einer Gebirgsjägereinheit in Bayern. Das berichtet die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf Bundeswehrkreise. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, dementierte dies auf Anfrage nicht. In Frage kommen den Angaben zufolge die Standorte Bad Reichenhall und Mittenwald. Einer der beiden Soldaten ist noch im Dienst, der andere ist aus der Bundeswehr ausgeschieden. Sie stehen im dringenden Verdacht, im Frühjahr 2003 in Afghanistan Leichtenteile geschändet zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. (tso/AFP/ddp)

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