Politik : Leistungen für Hartz IV über OECD-Schnitt

Berlin - Die Leistungen für Langzeitarbeitslose liegen in Deutschland nach einer OECD-Studie trotz der Hartz-Reformen weiter über dem Durchschnitt großer Industrieländer. Vor allem Langzeitarbeitslose mit Kindern seien in Deutschland deutlich besser gestellt als in den meisten anderen OECD-Ländern, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Berlin mit. Zur OECD gehören 30 große Wirtschaftsnationen.

Der Studie zufolge haben die Hartz-Reformen die finanziellen Anreize zur Arbeitsaufnahme für kurzzeitig Arbeitslose kaum verändert: Nach wie vor lohne es sich für sie im Vergleich zu anderen OECD-Ländern kaum, eine etwas geringer bezahlte Arbeit anzunehmen. Je nach Haushaltstyp hätten in Deutschland Arbeitslose und deren Familien sogar weniger Geld in der Tasche, wenn sie schnell einen geringer bezahlten Job annehmen, statt weiter von staatlichen Transfers zu leben. So erhalte ein Alleinstehender in Deutschland, der zuletzt durchschnittlich verdiente, nach fünf Jahren ohne Job noch 36 Prozent seines letzten Nettoverdienstes als Transferzahlung.

Die Familie eines verheirateten Durchschnittsverdieners mit zwei Kindern erhält laut OECD aktuell nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit „noch 62 Prozent des letzten Nettos und damit unerheblich weniger als 2001 (63 Prozent)“. Der Durchschnitt liege bei 53 Prozent. In Dänemark und Finnland fallen die Transfers mit 77 Prozent des letzten Nettos am höchsten aus. Größere reformbedingte Einbußen mussten jedoch Langzeitarbeitslose hinnehmen, die vor dem Verlust ihres Jobs ein überdurchschnittliches Einkommen erzielten. dpa

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