Leistungsvergleich : Sie können alles – sogar Hochdeutsch

Sie sind auch im neuen Leistungsvergleich der Länder vorn: Die süddeutschen Schüler schnitten beim Lesen, Textverständnis und bei der Rechtschreibung wieder einmal am besten ab. Die Berliner Schüler liegen unter dem Schnitt.

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Wie schon bei früheren Pisa-Bundesländervergleichen stellten die Forscher vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) ein großes Leistungsgefälle zwischen dem Norden und dem Süden der Bundesrepublik fest.
Wie schon bei früheren Pisa-Bundesländervergleichen stellten die Forscher vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im...Foto: dpa

Berlin - In dem Test, den das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen entwickelte, wurden die Kompetenzen von Neuntklässlern in Deutsch und Englisch ermittelt. Das Ergebnis: In beiden Fächern schnitten die Pennäler in Bayern und Baden-Württemberg am besten ab. Gute Ergebnisse gab es in Deutsch auch in Sachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Unterdurchschnittlich schnitten Brandenburg und Schleswig-Holstein ab.

Wie immer bei den Schülervergleichen lagen aber die Stadtstaaten ganz hinten: Bremen bildet das Schlusslicht, Berlin schneidet etwas schlechter ab als Hamburg. Eine Ursache für das Ergebnis der Stadtstaaten ist der relativ hohe Migrantenanteil an der Schülerschaft. Vor allem Jugendliche, die nicht in Deutschland geboren wurden, haben größere Probleme beim Lesen und Schreiben. Hier zeigte sich, dass Jugendliche aus Polen und der früheren Sowjetunion etwas besser lagen als etwa Kinder türkischer Herkunft.

Der Vorsprung der Bayern vor den Bremern beim Lesen, eine Schlüsselkompetenz für den Schulerfolg insgesamt, beträgt mehr als ein Schuljahr. Beim mündlichen Textverständnis betrug der Abstand sogar fast eineinhalb Jahre. Die neue Untersuchung löst die früheren Pisa-Vergleichstests zwischen den Bundesländern ab. Erstmals lagen die vor einigen Jahren vereinbarten bundesweiten Bildungsstandards der Erhebung zu Grunde, die 2009 durchgeführt wurde. Es wurden dabei die Leistungen von 41 000 Schülern der 9. Klasse getestet. 1500 Schulen nahmen an dem Vergleich teil. Hauptergebnis ist das schon früher festgestellte Süd- Nord-Gefälle, wobei auch ein – allerdings geringeres – West-Ost-Gefälle auftrat. Letzteres zeigte sich sogar recht deutlich bei den Kompetenzen der Schüler im Englischen. Hier liegt Berlin im Mittelfeld der Länder, sogar vor den sonst als ostdeutsche Musterschüler geltenden Sachsen.

Die neue Untersuchung bestätigte, was frühere Tests auch schon ergaben: In einigen Ländern gibt es eine recht hohe Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Gymnasialbesuch. Besonders ausgeprägt ist das in Bayern und Baden-Württemberg, wo Akademikerkinder eine etwa sechseinhalbmal so große Chance auf das Gymnasium haben wie Arbeiterkinder. Freilich ist eine Facharbeiterkarriere gerade in diesen Ländern – ökonomisch betrachtet – keineswegs eine schlechte Wahl. Den geringsten Zusammenhang zwischen Elternhaus und Gymnasialbesuch haben die Bildungsforscher in Berlin und Brandenburg gemessen. Die Detailergebnisse der Studie werden an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt.

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