Politik : Leiter des Holocaust-Museums in Budapest muss gehen

Budapest - Nach wochenlangem Streit über die Darstellung von Ungarns Verbindungen zu Nazi-Deutschland im Holocaust-Gedenkzentrum in Budapest ist der Leiter des Museums, Laszlo Harsanyi, entlassen worden. Diese Entscheidung habe das neue Gremium der Kuratoren bei seiner konstituierenden Sitzung am Freitag getroffen, teilte das Museum mit. Harsanyi sagte der ungarischen Nachrichtenagentur MTI, ihm seien keine Gründe für die Entlassung genannt worden. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers übernimmt laut MTI der konservative Historiker Szabolcs Szita die Leitung des Museums.

Über Harsanyis Absetzung war seit Wochen spekuliert worden. Hintergrund ist ein Streit über die Dauerausstellung des Holocaust-Gedenkzentrums, die aus Sicht der Regierung in Budapest ein verzerrtes Bild von Ungarns Verbindungen zu Nazi-Deutschland zeichnet. Historiker werfen der rechtskonservativen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hingegen vor, unbequeme Hinweise auf Ungarns Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten ausblenden zu wollen.

Hauptstreitpunkt ist ein Bild von Ungarns früherem Staatschef Miklos Horthy, der das Land von 1924 bis 1944 regierte. Er war ein Bündnis mit Nazi-Deutschland eingegangen, im Gegenzug hatte Ungarn 1920 verlorene Gebiete zurückerhalten. In der Nähe von Horthys Porträt hängen in dem Museum Bilder von den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Staatssekretär Andras Levente Gal hatte erklärt, das Bild setze ungerechtfertigterweise die Rückgabe der Gebiete an Ungarn mit der Deportation von Juden in die NS-Todeslager in einen Zusammenhang. Die Ausstellung müsse daher „neu bewertet“ werden. In der Folge wurde ein Kuratorengremium für das Gedenkzentrum eingesetzt, dessen Mitglieder von der Regierung ernannt werden. AFP

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