Politik : Lenkt die Bahn bei Schau zum Holocaust ein?

Matthias Meisner

Berlin - Darf die Ausstellung „11 000 jüdische Kinder – Mit der Reichsbahn in den Tod“ auch auf deutschen Bahnhöfen gezeigt werden? In den nächsten Tagen soll der monatelange Streit um diese Frage endlich zu Ende gehen. Vor entsprechenden Beratungen sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, er erwarte, dass die Schau der Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld „auf mindestens einem, hoffentlich mehreren Bahnhöfen“ gezeigt werden könne. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel fügte Kramer hinzu, der Charakter der in Frankreich mit großem Erfolg gezeigten Ausstellung erzwinge geradezu eine Präsentation „in der Mitte des Besuchertrubels“. Er sei inzwischen „sehr zuversichtlich, es muss einen Weg geben“.

Am 10. Juli wollen sich Vertreter der Bahn, des Bundesverkehrsministeriums, des Zentralrats der Juden und die Ausstellungsmacherin Klarsfeld in Berlin treffen, um ihren Streit zu schlichten. Zuvor soll das Thema bereits am kommenden Montag bei einem Gespräch zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, angesprochen werden. Mehdorn hatte sich zunächst strikt geweigert, die Ausstellung auch auf Bahnhöfen zu zeigen, zur Begründung machte er Sicherheitsbedenken geltend. Eine Rolle spielte auch, dass sich die heutige Bahn nicht in einen Kontext mit der Ermordung europäischer Juden stellen lassen wollte. Für diese Position sicherte sich Mehdorn auch den Rückhalt des Bahn-Aufsichtsrates. Später deutete die Bahn ein mögliches Einlenken an. Konkret aber will sie sich vor den dazu in den kommenden Tagen geplanten Gesprächen nicht festlegen.

Vorschläge wie die Präsentation der Schau im Bundesverkehrsministerium sowie im Nürnberger Eisenbahnmuseum reichen weder Klarsfeld noch dem Zentralrat der Juden aus. Auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte in einem Schreiben an Mehdorn appelliert, seine Bedenken zurückzustellen. Er meint, „gerade diese Ausstellung“ würde der Bahn „gut zu Gesicht stehen“.

Klarsfeld warnte davor, die Schau ins Nürnberger Museum „abzuschieben“. Dort wollten die Besucher „Züge sehen“, die Schau würde nur ein „sehr kleines Publikum“ haben. Der Erfolg in Frankreich gehe darauf zurück, dass sich die Reisenden dort mit Bildern und Texten auseinander setzen mussten, wo 60 Jahre zuvor Züge in den Tod rollten. Klarsfeld bescheinigte Mehdorn in der „Frankfurter Rundschau“ einen „wenig sensiblen Charakter“: „Ihm fehlt da die Feinheit zur Abstraktion, dass in seinen Bahnhöfen Züge nach Auschwitz rollten.“

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