Leserdebatte : Organspende: Ja, Nein oder später?

Erklärung zum Organspendeausweis. Gesundheitsminister Bahr (FDP) will alle Bürger befragen. Foto: dapd
Erklärung zum Organspendeausweis. Gesundheitsminister Bahr (FDP) will alle Bürger befragen. - Foto: dapd

Um die Zahl der Transplantationen zu steigern, will Gesundheitsminister Bahr alle Bürger über ihre Bereitschaft zur Organspende befragen lassen. Liebe Leserinnen und Leser: Wie werden Sie damit umgehen? Diskutieren Sie mit!

Über die Krankenkassen sollen in den nächsten Monaten alle Bundesbürger nach ihrer Bereitschaft zur Organspende befragt werden. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) angekündigt. Demnach müssten alle gesetzlichen und privaten Krankenversicherer ihre Mitglieder über das Thema informieren und ihnen eine Erklärung dazu abverlangen. Allerdings hätten die Befragten dann neben einem klaren Ja oder Nein auch das Recht zu der Mitteilung, sich diesbezüglich noch nicht festlegen zu wollen.

Als ideale Möglichkeit, den Versicherten das Thema nahezubringen, sieht das Ministerium die ohnehin geplante Ausgabe elektronischer Gesundheitskarten, die Anfang Oktober beginnen soll.

Dabei könnten Anträge für einen Organspendeausweis gleich mitverschickt werden. Später könne die Bereitschaft zur Organspende bei Zustimmung der Kartenbesitzer praktischerweise dann auch gleich auf den neuen Chips gespeichert werden.

Die Krankenkassen äußerten sich zustimmend. Es sei „hochplausibel“, sie mit dem Kontaktieren der Bevölkerung zu beauftragen, sagte der Sprecher ihres Spitzenverbands, Florian Lanz, dem Tagesspiegel. Man verfüge über die Kontakte, und Information sei für die Kassen sowieso „das tägliche Brot“. Allerdings werde man sich jeglicher ethischen Beratung enthalten, stellte der Sprecher klar. Außerdem benötige man für das Anschreiben der 70 Millionen Kassenversicherten erst eine gesetzliche Grundlage, „vorher werden wir damit nicht beginnen“. Da man mit dem Versand der elektronischen Gesundheitskarten bereits in der kommenden Woche starte, sei auf diesem Wege folglich allenfalls ein Teil der Versicherten zu erreichen.

Im Bundestag drängen die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, seit längerem auf eine Konfrontation aller Bürger mit dem Thema Organspende. Der Grund ist das Missverhältnis zwischen theoretisch bekundeter Zustimmung (75 Prozent) und tatsächlich erklärter Spendenbereitschaft (25 Prozent). Bisher war aber favorisiert worden, die Erklärung zur Organspende bei der Ausgabe von Führerschein oder Personalausweis einzufordern.

Um die Zahl der Transplantationen zu steigern, will Gesundheitsminister Bahr alle Bürger über ihre Bereitschaft zur Organspende befragen lassen. Liebe Leserinnen und Leser: Wie werden Sie damit umgehen? Diskutieren Sie mit!

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