Lesermeinung : Kein Shitstorm für den Tagesspiegel

Das Wort "Shitstorm" hat in einer seriösen Zeitung nichts zu suchen, findet unser Leser Mario Keßler. Liebe Leserinnen und Leser, was denken Sie? Diskutieren Sie mit!

Mario Keßler
"Shitstorm" wurde kürzlich zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt.
"Shitstorm" wurde kürzlich zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt.Foto: dpa

Die Beiträge von Matthias Meisner treffen so oft den Nagel auf den Kopf - so auch diesmal in seiner Berichterstattung über die beschämenden Vorgänge in Heidenau. Ein sprachlich arger Lapsus, der keineswegs nur ihm unterläuft, aber in einem kulturvollen Blatt wie dem "Tagesspiegel" nichts zu suchen hat, sei dennoch vermerkt: Herr Meisner schrieb, der CDU-Politiker "Spahn reagierte auf heftige Kritik und einen drohenden Shitstorm, indem er seinen Tweet am späten Abend löschte."

Das tut weh! Ist es vorstellbar, dass die "New York Times" von einem drohenden Haufen Sch... schreibt, der das Internet verstopft? Genau so aber liest sich das Wort "shitstorm" im Englischen. Dort heißt der entsprechende Vorgang flamewar bzw. flaming. Warum leistet der "Tagesspiegel" keine Pionierarbeit, indem er dazu beiträgt, das unsägliche scheinenglische Wort aus der deutschen Sprache - und vor allem der eigenen Berichterstattung - zu entfernen?

Man kann auch den Vorgang in gutem Deutsch benennen, so z. B. als geballte Kampagne im Internet. Ich bin sicher, der Tagesspiegel-Redaktion wird es an Ideen dafür nicht fehlen.


Prof. Dr. Mario Keßler arbeitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung der Universität Potsdam. Zurzeit ist er Gastprofessor an der Rutgers University (New Brunswick, New Jersey) und am City College New York.

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