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Helmut Lölhöffel

Pavan Sukhdev:

Corporation 2020. Warum wir Wirtschaft neu denken müssen. Mit Vorworten von Ralf Fücks, Nicholas Stern und Jochen Zeitz. Oekom Verlag, München 2013. 296 Seiten, 19,95 Euro.

Mit seinem Wissen aus der Finanzwelt stellt der einstige Spitzenbanker Pavan Sukhdev die Weltwirtschaft auf den Kopf: Er will die globalen Kosten der Ausschöpfung natürlicher Kapitalquellen bestimmen, ein Vergütungssystem für ökologische Dienstleistungen schaffen, Anreize für ressourcenneutrales Wirtschaften setzen und in Unternehmensbilanzen die Umweltkosten ausweisen lassen. Seine Vision von einer anderen Wirtschaft hat er in dem nun auf Deutsch erschienenen Buch „Corporation 2020“ dargestellt, das er mit einer gleichnamigen Kampagne zur Erfassung des ökonomischen Werts von Natur und Ökosystemen begleitet. Vorläufer war der Bericht von Nicholas Stern über die Kosten des Klimawandels. „Corporation 2020“ ist eine von radikaler Empörungsenergie getragene, pointiert argumentierende Streitschrift, eine „Bibel des nachhaltigen Unternehmertums“, wie das „Manager Magazin“ formulierte. Sukhdev, der inzwischen Vorstand von „Green Initiatives for a Smart Tomorrow“ (GIST) ist, wirbt für Unternehmenstypen mit einer Managergattung, die die bisherige Wirtschaftsweise ablösen: Unternehmen sollten schrumpfen, ebenso Reklame und Lobbying, neue Buchhaltungsregeln müssten eingeführt werden und die Nutzung von Rohstoffen sei konsequent zu besteuern. „Diese neue DNA des Unternehmens muss spätestens 2020 in der Wirtschaft erkennbar sein, denn dann werden wir den Grenzen der Tragfähigkeit des Planeten schon gefährlich nahe sein, wenn wir sie nicht schon überschritten haben“, warnt Sukhdev. Mit seinem Lösungsmosaik hebt sich Sukhdev, der am 7. (um 19 Uhr in der Böll-Stiftung, Schumannstraße 8) und 8. Oktober (um 19 Uhr 30 in der Urania, An der Urania 17) in Berlin auftritt, von anderen ökologischen Neudenkern ab. Das Kapital der Natur dürfe nicht kostenlos sein, sondern gehöre in die Konzernbilanzen. Würde so bilanziert, würde auch anders gemanagt und gewirtschaftet. Das wäre eine ökonomische Systemrevolution. Helmut Lölhöffel

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