Letzte TV-Debatte : McCain muss auf ein Wunder hoffen

Sein "running mate" Sarah Palin erweist sich als peinliche Karikatur ihrer selbst, Wahlkampfstrategien verkommen zu Rohrkrepierern: John McCain solle sein PR-Team feuern und noch einmal von vorne anfangen, so der Rat amerikanischer Publizisten.

Laszlo Trankovits[dpa]
John McCain
Kämpft auf verlorenem Posten? Präsidentschaftsanwärter John McCain. -Foto: dpa

Washington Die Zeichen der Niederlage für John McCain mehren sich: "Er hat nichts mehr zu verlieren", analysierte selbst der neokonservative Publizist William Kristol in der "New York Times" die Lage des Republikaners drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. "Bush ist unpopulär. Die Medien feindlich. Und die Kernschmelze des Finanzsystems macht alles noch schlimmer", schreibt der einflussreiche Publizist. Er empfahl angesichts der klaren Führung des Demokraten Barack Obama bei den Umfragen, dass McCain sein "wirres und inkompetentes" Wahlkampfteam feuern und völlig neu anfangen sollte.

Kurz vor der dritten und letzten TV-Debatte zwischen McCain und Obama am Mittwoch in New York stehen fast alle Zeichen auf einen deutlichen Wahlsieg des schwarzen Senators aus Illinois. Vor allem die Wirtschaftsturbulenzen geben Obama ohne viel eigenes Zutun erheblichen Auftrieb. Nichts beunruhigt die Amerikaner mehr als die Turbulenzen an der Wall Street und die taumelnde US-Wirtschaft.

84 Prozent der Amerikaner glauben einer "USA Today"/Gallup-Umfrage zufolge, dass es mit der Wirtschaft weiter bergab geht. Eine satte Mehrheit traut zwar weder Obama noch McCain und schon gar nicht US-Präsident George W. Bush zu, die Krise zu lösen. Aber immerhin haben noch 44 Prozent der Befragten zu Obama Vertrauen, McCain kommt gerade mal auf 31 Prozent - und nur 16 Prozent setzen noch auf Bush.

McCain übt sich in zweifelhaften Andeutungen

McCain spricht seinen Anhängern fast schon ein wenig verzweifelt Mut zu: Die Medien hätten ihn zwar abgeschrieben, aber es gebe angesichts von sechs Prozentpunkten Rückstand keinen Grund zum Trübsal blasen. "Wir haben sie genau dort, wo wir sie wollten", sagte er am Sonntag etwas nebulös über die Demokraten. Der 72-Jährige wird nicht müde, vor Obama zu warnen, der den Bürgern höhere Steuern und mehr Staat bescheren werde. Keine leichte Botschaft in Zeiten, in denen der Republikaner Bush 700 Milliarden Dollar Steuergelder zur Stabilisierung der "freien Märkte" in die Hand nimmt.

Keine Frage: Die Wirtschaft wird das Thema der TV-Debatte am Mittwochabend sein - nicht die Domäne McCains. Die Finanzkrise wird in der Öffentlichkeit zudem der republikanischen Wirtschaftspolitik deregulierter Märkte und mangelnder staatlicher Kontrollen angelastet. Da nützt es dem Republikaner aus Arizona kaum, dass die Deregulierung der Finanzmärkte 1999 von dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton angeschoben wurde - und dass der Auslöser für die aktuelle Krise in einer unverantwortlichen Kreditflut für Immobilen lag. Dafür aber waren vor allem die beiden halbstaatlichen Finanzgiganten Fannie Mae und Freddie Mac verantwortlich. Krisen und Wahlkämpfe sind keine Zeiten der großen Differenzierungen.

Palins Auftritte sind gespickt mit Peinlichkeiten

McCain weht der politische Wind ohnehin immer heftiger ins Gesicht. Selbst viele Konservative verübeln dem Senator, dass er als sein "running mate" die unbedarft wirkende Gouverneurin Sarah Palin ausgesucht hat. Sie dient seit Wochen den Comedy-Sendungen im Fernsehen als überaus populäre Vorlage für Sketche und Parodien - schließlich sind Palins seltene Auftritte und Interviews gespickt mit Ungeschicklichkeiten und Peinlichkeiten.

Schließlich hat sich auch die zunehmend aggressive Wahlkampftaktik der Republikaner als Rohrkrepierer erwiesen. Der Versuch, Obama in die Nähe von Radikalen und Terroristen zu rücken, führte zu abstoßenden Szenen auf Wahlkampfveranstaltungen. Rechtsradikale und Spinner beschimpften Obama als "Terroristen", nannten ihn einen "Araber" und "Muslim", manche forderten gar lautstark "Tötet ihn" oder "Kopf ab". Schließlich musste McCain eingreifen und Obama als "anständigen Familienvater" verteidigen, den die Amerikaner auch "als Präsidenten nicht zu fürchten brauchen".

Es sieht schlecht aus für McCain, auch wenn er darauf verweist, dass er "schon so oft abgeschrieben wurde, und immer wieder bin ich wieder gekommen". Wie also könnte der Kriegsheld noch einmal das Ruder herumwerfen? Ihm bleibt die Hoffnung auf eine "Oktober-Überraschung", die diesmal aber fast einem Wunder gleichkäme. Oder aber er setzt auf die Spekulation, dass alle Umfragen irreführend sind und eine Mehrheit der weißen Amerikaner letztendlich in den Wahlkabinen doch keinen Schwarzen zum Präsidenten wählen wollen. Dann aber stünden die Zeichen auf Sturm in den USA - zur wirtschaftlichen Krise drohen dann Unruhen und eine Staatskrise.

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