Politik : Letzter Auftrag Kabul

General Götz Gliemeroth übernimmt das Kommando über die Internationale Schutztruppe

Sven Lemkemeyer

Es ist seine letzte, aber vermutlich auch seine schwierigste militärische Aufgabe. Wenn die Nato am diesem Montag die Führung der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) von Deutschland und den Niederlanden übernimmt, führt der deutsche Generalleutnant Götz Gliemeroth das Kommando über die rund 4600 Soldaten aus 29 Nationen. Eine historische Mission: Erstmals in ihrer Geschichte führt die Nato eine Operation außerhalb des Hoheitsgebiets ihrer Mitgliedsländer.

Sechs Monate lang dauert die heikle Aufgabe des Generals am Hindukusch, dann geht er in Pension. Dass Gliemeroth, der am 21. Oktober seinen 60. Geburtstag feiert, mit der Nato-geführten Schutztruppe bei der Herstellung von Ordnung und Sicherheit in Afghanistan vor einer schweren Aufgabe steht, hat ihm auch sein scheidender Vorgänger als Chef der Isaf-Mission indirekt mit auf den Weg gegeben: Zusätzlich 10 000 Soldaten halte er für notwendig, um das Land einigermaßen zu stabilisieren, sagte der deutsche Generalleutnant Norbert van Heyst.

Gliemeroths Ankunft in Kabul wird begleitet von intensiven Diskussionen über die Lage im Land. Es geht es um eine Ausweitung des Isaf-Mandats, eine Erhöhung des Kontingents und den Einsatz von Wiederaufbauteams aus Soldaten und Zivilisten, die außerhalb Kabuls eingesetzt werden sollen.

Gliemeroth, seit März 2001 Befehlshaber eines der Nato-Hauptquartiere in Heidelberg, hat sich zwei Ziele gesetzt: „Ich will alle Soldaten wieder heil und gesund zurückbringen, und ich würde gern dazu beitragen, dass in Kabul die Versammlung Loya Dschirga in Frieden eine Verfassung für Afghanistan erarbeiten kann.“ Sein Stellvertreter in Kabul ist der kanadische Generalmajor Andrew Leslie. Der deutsche Drei-Sterne-General wurde in Göttingen geboren, wuchs in einem Professorenhaushalt auf und meldete sich nach dem Abitur 1963 bei den Fallschirmjägern. Danach durchlief er zahlreiche nationale und internationale Stabs- und Führungsverwendungen: Er war Kommandeur einer Panzerdivision, arbeitete im Bereich Personal im Verteidigungsministerium und war kommandierender General des II. Korps in Ulm. Der ehemalige Fünfkämpfer und Liebhaber von Mozart und Brahms, der von seiner Umgebung als offen und aufgeschlossen beschrieben wird, gilt als risikobereit und dennoch verantwortungsbewusst.

Dass er auch politisch kein Blatt vor den Mund nimmt, machte Gliemeroth zum Beispiel auf der Kommandeurstagung der Bundeswehr im April 2002 deutlich, als er die Reformpolitik unter seinem früheren Dienstherrn Rudolf Scharping (SPD) scharf kritisierte.

Ziemlich sicher ist, dass er bald nach seiner Rückkehr aus Kabul wieder die Koffer packen wird – dann privat. Denn mit seiner Frau Renate teilt er eine Leidenschaft für exotische Länder, die das Paar nach Tibet, Bhutan, Nepal oder nach Jemen und Äthiopien geführt hat. Ganz ohne Aufgabe will Gliemeroth auch im Ruhestand nicht sein. Sein Fernweh will er mit humanitärer Hilfe verbinden.

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