Politik : Letzter Berufungsprozess für bulgarische Krankenschwestern

Tripolis - Libyens Staatsanwaltschaft hat im letzten Berufungsprozess von fünf bulgarischen Krankenschwestern und einem palästinensischen Arzt vor dem Obersten Gericht des Landes eine Bestätigung des Todesurteils gefordert. Der Prozess begann am Mittwoch in der Hauptstadt Tripolis. Die Krankenschwestern und der Arzt waren im Mai 2004 für schuldig befunden worden, in einem Hospital in Benghazi 438 libysche Kinder absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. 56 der Kinder starben. Ein Urteil, so der Richter, soll am 11. Juli fallen.

Die Beweise sprächen klar für die Beteiligung der sechs Verurteilten an der absichtlichen Infektion der Kinder, sagte der Staatsanwalt. Auch die Anwälte der Opferfamilien forderten eine Bestätigung des Todesurteils. Angehörige zeigten Fotos ihrer an der Immunschwächekrankheit erkrankten oder verstorbenen Kinder. Das Todesurteil von 2004 war im Dezember bestätigt worden.

Der Anwalt des palästinensischen Arztes forderte die Aufhebung des Todesurteils. Sein Mandant habe die ihm zur Last gelegten Taten unter Folter gestanden. Die Anwälte der Krankenschwestern forderten ebenfalls deren Freilassung und verwiesen auf einen 100-Seiten-Bericht, nach dem es keine direkten oder indirekten Beweise für eine Schuld der Bulgarinnen gibt. Dass Richter Fathi Dahane das Urteil erst am 11. Juli verkünden will, wertete ein Verteidiger als positiv. Das zeige, dass das Gericht „neue Untersuchungen über die Infektion der Kinder veranlassen wird“, sagte er.

Parallel zu dem Prozess verhandeln Opferangehörige, libysche Behörden und EU-Vertreter über eine Entschädigung der Familien. Bei einer Einigung könnte die Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt werden. Ein Mitarbeiter der an den Gesprächen beteiligten Gaddafi-Stiftung sagte, eine Regelung werde am Freitag bekannt gegeben. AFP

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben