Politik : Leuna-Affäre: Ankläger will Akten aus Paris

In der Leuna-Affäre hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken zusätzliche Informationen und Akten aus Paris angefordert. Das sagte der Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft, Raimund Weyand, am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht von "Focus-Money". Die Behörde ermittelt wegen Geldwäsche gegen den Geschäftsmann Dieter Holzer, der als Schlüsselfigur in der Schmiergeld-Affäre gilt.

Gegen Holzer, der im Saarland seinen Wohnsitz hat, liege seit August vergangenen Jahres ein Haftbefehl der französischen Ermittler wegen Beteiligung an Untreue französischer Elf-Manager vor, sagte Weyand weiter. Als deutscher Staatsbürger dürfe Holzer laut Grundgesetz aber nicht ins Ausland ausgeliefert werden.

Wenn die französischen Vorwürfe der Untreue gegen Holzer zuträfen und er sich Gelder unrechtmäßig angeeignet hätte, dann wäre er wahrscheinlich nicht mehr wegen Geldwäsche zu belangen, meinte Weyand. In dem Fall würde der Vorwurf der Untreue schwerer wiegen. Der frühere Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent hatte in einem Zeitungsinterview Schmiergeldzahlungen in der Leuna-Affäre eingeräumt, jedoch keine Namen genannt. Weyand verwies erneut darauf, dass eventuelle Schmiergeldzahlungen von Elf beim Leuna-Verkauf 1992 inzwischen verjährt seien.

Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa warf unterdessen der deutschen Justiz in der Leuna-Affäre "totale Funkstille" vor. "Bisher kam von den deutschen Strafverfolgern kein Zeichen, das zuversichtlich stimmte", sagte Bertossa dem Züricher "Tages-Anzeiger" vom Mittwoch. Alles, was er nach Deutschland geschickt habe, sei zwar rasch in den Medien gelandet, aber von der deutschen Justiz habe er nichts gehört.

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