Politik : Leuna-Affäre: Holzer will BKA verklagen

Der als Schlüsselfigur in der Leuna-Schmiergeldaffäre geltende Geschäftsmann Dieter Holzer hat nach seiner vorübergehenden Festnahme in Österreich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe erneut zurückgewiesen. Beweise gebe es nicht, die Vorwürfe seien erfunden, sagte er dem Zweiten Deutschen Fernsehen. Zugleich erhob Holzer heftige Vorwürfe gegen das Bundeskriminalamt (BKA) und drohte mit rechtlichen Schritten.

Holzer war am Donnerstagabend in einem Appartement in Lech am Arlberg verhaftet, am Freitag gegen Kaution in Höhe von 714 000 Mark wieder freigelassen worden. Nach Auskunft des österreichischen Justizministeriums wurde ein Verfahren zur Auslieferung an Frankreich eröffnet. Holzer musste seine Reisepapiere abgeben und darf Österreich nicht verlassen. Das Geld für die Kaution, sagte Holzer, stamme von Freunden auch aus Österreich.

Seit einem Jahr liegt der Haftbefehl eines französischen Gerichts gegen Holzer vor. Darin wird ihm Untreue zum Nachteil des französischen Ölkonzerns Elf Aquitaine vorgeworfen, der im ostdeutschen Leuna eine Raffinerie errichtet hatte.

Er gehe das Risiko, bei einem Aufenthalt in Österreich verhaftet zu werden, bereits seit einem Jahr ein, sagte Holzer im ZDF. "Ich komme regelmäßig nach Österreich und lasse mir auch dieses Jahr die Ferien nicht verderben." Er besuche seit 20 Jahren die Bregenzer Festspiele und habe "auch dieses Jahr keinen Grund gesehen, hier nicht her zu fahren". Holzer, der dem deutschen Bundeskriminalamt (BKA) vorwarf, es habe ihn an Österreich verraten, sagte im ARD-Fernsehen: "Ich wusste nicht, dass das BKA in Deutschland Verrat übt an einem deutschen unschuldigen Bürger." Er "erwäge auch, Schritte gegen das BKA zu unternehmen".

In Deutschland prüft die Staatsanwaltschaft Saarbrücken den Verdacht der Geldwäsche gegen Holzer. Das Ermittlungsverfahren werde weitergeführt, sagte deren Sprecher Raimund Weyand.

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