Politik : Leyen will Misshandlung von Kindern früher vorbeugen

Frauke Böger

Berlin - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will durch bessere Frühwarnsysteme und Fehleranalysen der Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern vorbeugen. 2007 sei die Zahl der von den Jugendämtern in Obhut genommenen Kinder auf 28 200 gestiegen, 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 80 bis 120 Kinder im Jahr kämen durch die Hand der Eltern zu Tode. Die Zahl der Sorgerechtsentzüge sei sogar um 12,5 Prozent gewachsen, sagte von der Leyen bei der Vorstellung einer Studie zum Kinderschutz am Montag.

„Das ist auf den ersten Blick erschreckend. Es zeigt aber auch, dass die Aufmerksamkeit zum Thema Kinderschutz in unserer Gesellschaft gestiegen ist“, sagte sie. In allen Bundesländern seien zwei Jahre nach dem Start des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ Modellprojekte aktiv. Eine Studie der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm habe gezeigt, dass die Ursachen von Katastrophen, wie im Fall von Kevin und Lea-Sophie, in den seltensten Fällen am Versagen einzelner Personen oder eines Amtes festzumachen seien.

Die Hauptfehlerquellen im Kinderschutz liegen der Studie zufolge in der mangelnden Kommunikation zwischen Behörden und Gesundheitssystem. „Der Schlüssel für ein soziales Frühwarnsystem liegt im Gesundheitswesen“, sagte von der Leyen. Rund um die Geburt sei der Zugang zu Familien über Ärzte und Hebammen am einfachsten, sagte sie.

Der Kinderarzt Jörg Fegert vom Uniklinikum Ulm wies darauf hin, dass nicht Einzelne über schwierige Fälle allein entscheiden sollten: „In der Flugsicherung haben wir das sogenannte Vier-Augen-Prinzip, im Kinderschutz brauchen wir das auch“, sagte er. Für das Aktionsprogramm, das noch bis 2010 laufen soll, stellt der Bund insgesamt elf Millionen Euro zur Verfügung. Frauke Böger

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