Libanon : Armee nimmt Islamistenlager ein

Nach mehr als dreimonatiger Belagerung und heftigen Kämpfen hat die libanesische Armee die Kontrolle über das Flüchtlingslager Nahr al Bared gewonnen. In dem Lager hatten sich Islamisten verschanzt. Bei den Kämpfen wurde der Anführer der Extremistengruppe Fatah al Islam getötet.

Islamistenlager Nahr el-Bared ein
Libanesische Soldaten nach dem Kampf um das Flüchtlingslager. -Foto: dpa

BeirutDas Flüchtlingslager im Norden Libanons war seit Mai diesen Jahres umkämpft. Bei den gestrigen Gefechten kamen 42 Menschen ums Leben. Wie ein Armeesprecher sagte, wurden 37 Anhänger der palästinensischen Islamistengruppe Fatah al Islam getötet. Auch fünf Soldaten, darunter ein Offizier, starben. Unter den Toten ist offenbar auch Chaker al-Abssi, der Anführer von Fatah al-Islam.

Ministerpräsident Fuad Siniora lobte die Soldaten für ihren Einsatz: "Ihr habt in Nahr al-Bared für unser Land den größten Sieg über die Terroristen errungen", sagte er in einer Fernsehansprache. Zugleich kündigte er den Wiederaufbau des bei den Kämpfen zu weiten Teilen zerstörten Lagers an. Außerdem solle das Camp, in dem vor Beginn der Kämpfe rund 40.000 palästinensische Flüchtlinge gelebt hatten, künftig der Kontrolle libanesischer Behörden unterliegen.

Freudenschüsse und Tänze

Nach der Einnahme des Lagers feuerten Soldaten Freudenschüsse ab. Vor den Kämpfen geflohene Bewohner des Lagers tanzten vor Freude auf den Straßen und jubelten den Soldaten zu. Zunächst durften die Menschen jedoch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Ein Armeeoffizier erklärte, das Militär werde das Lager zunächst nach Bomben und möglichen Verstecken letzter verbliebener Kämpfer der Fatah al-Islam durchsuchen und so lange niemanden den Zutritt erlauben.

Wie die Armee mitteilte, hatten die Islamisten am Sonntag noch versucht, aus dem umstellten Lager zu entkommen. 20 Kämpfer seien festgenommen worden. Den Anhängern der Fatah al Islam werden Verbindungen zur Terrororganisation Al Qaida und zum syrischen Geheimdienst nachgesagt.

Lager stark zerstört

Das Flüchtlingslager nördlich der Hafenstadt Tripoli wurde bei den monatelangen Kämpfen stark zerstört. Weit mehr als 200 Menschen wurden getötet, darunter 158 Soldaten. Insgesamt leben im Libanon rund 367.000 Palästinenser in zwölf Flüchtlingslagern. Aufgrund jahrzehntealter Abkommen ist es den libanesischen Sicherheitskräften bisher nicht erlaubt, die Lager zu betreten. (mit dpa)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben